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Tierheime in SH : Urlaubszeit: Tausende Heimtiere abgegeben oder ausgesetzt

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Urlaubszeit heißt Hochsaison für die Tierheime. In Schleswig-Holstein allerdings ist die Lage (noch?) relativ entspannt.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2015 | 09:18 Uhr

Kiel | Sommerzeit, Urlaubszeit – und jedes Jahr das gleiche Tierdrama. Denn diese Zeit im Jahr bedeutet Hochsaison für die Tierheime: „Tausende Heimtiere werden zur Urlaubszeit ausgesetzt oder abgegeben“, meldet der Deutsche Tierschutzbund, dem bundesweit rund 500 Heime angeschlossen sind.

In den meisten Tierschutzfällen hätten die Besitzer schlichtweg vergessen, Hund, Katze oder Maus in die Urlaubsplanung mit einzubeziehen, so die Erfahrung der Tierschützer. Viele solcher Notfälle könnten verhindert werden, wenn die Menschen sich rechtzeitig um eine Tierbetreuung kümmern oder die notwendigen Vorkehrungen für die – häufig mögliche – Mitreise ihrer vierbeinigen Freunde zu treffen. „Tiere sind keine Wegwerfware, die ich ‚entsorgen’ kann, sobald sie meiner Urlaubsplanung im Weg stehen“, appelliert Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder an das Verantwortungsbewusstsein der Tierhalter.

Auch in Schleswig-Holstein sind bereits die ersten herrenlosen Vierbeiner in die Heime eingezogen, im Kieler Tierheim Uhlenkrog zum Beispiel ein ausgesetzter kleiner Pudelmischling. „Es füllt sich langsam“, berichtet Holger Sauerzweig-Strey, Vorsitzender des Landesverbandes des Tierschutzbundes, auf Anfrage von Schleswig-Holstein am Sonntag. Derzeit allerdings sei die Lage „noch relativ entspannt“ – die Sommerferien haben hierzulande allerdings gerade erst begonnen.

Aber das ist es nicht allein. Denn – und das versteht Sauerzweig-Strey als Erfolgsmeldung – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lebten derzeit deutlich weniger Katzen in den Heimen. Hier habe die landesweite Aktion zur Katzenkastration offenbar Früchte getragen. Das bestätigt auch die Leiterin des Kieler Tierheims, Elisabeth Haase. Vor allem die Zahl der meist im Mai geborenen Katzenkinder sei erkennbar zurückgegangen. Und immerhin würden weniger tierische Begleiter einfach ausgesetzt als früher, sondern stattdessen zumindest im Tierheim abgegeben, hat Haase beobachtet. Auch dafür sieht sie einen naheliegenden Grund: Immer mehr Hunde und Katzen seien gechippt und registriert, so dass die Halter leicht zu ermitteln sind.

Anderswo in Deutschland allerdings stellt die allsommerliche Notlage die Heime nicht nur vor große Platz-, sondern auch vor finanzielle Probleme. Den Angaben des Tierschutzbundes zufolge sind geschätzte 50 Prozent der rund 500 ihm angeschlossenen Heime akut in ihrer Existenz bedroht. Hauptproblem sei, dass die Kommunen die den Einrichtungen übertragenen kommunalen Pflichtaufgaben nicht kostendeckend erstatteten. „Wir brauchen jetzt sofort einen Investitionstopf von 50 Millionen Euro“, so Präsident Schröder kürzlich bei einem Gesprächstermin mit der Politik im Bremer Tierheim, und: „Angesichts von knapp 300 Millionen Euro Einnahmen der Kommunen aus der Hundesteuer muss das leistbar sein.“

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