Ausgesetzt am Straßenrand : Urlaubszeit sorgt für Hochbetrieb in Schleswig-Holsteins Tierheimen

haustier

Zur Ferienzeit werden immer wieder verstärkt Vierbeiner auf der Straße ausgesetzt.

Nicht alle kümmern sich um eine Betreuung für ihre Haustiere, wie ein Blick in die Tierheime im Land verrät.

shz.de von
21. Juli 2018, 12:40 Uhr

Flensburg | Wohin mit dem Haustier in den Ferien? Viele Menschen suchen zwar eine Urlaubsbetreuung für ihr Tier oder nehmen es mit auf die Reise. Doch nicht alle sorgen so gut für ihre Schützlinge. In der Urlaubszeit herrscht nicht nur in den Touristenhochburgen an Nord- und Ostsee Hochbetrieb, auch Tierheime in Schleswig-Holstein stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen.

Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Tierheimen im Land. „Das Problem ist jedes Jahr das gleiche“, sagte der Vorsitzende des Flensburger Tierschutzvereins, Willy Sandvoß. Am Anfang der Ferien werden demnach vermehrt Tiere abgegeben, oft mit dem Hinweis, das Tier sei gefunden worden. „Da hört man die schönsten Ausreden.“ Das Flensburger Tierheim sei im Moment richtig voll.

Das ganze Jahr über werden Tiere ausgesetzt

Auch im Tierheim in Rendsburg sei eine gewisse Zunahme an Fundtieren vor und in den Ferien festzustellen, sagte der Vorsitzende des Tierschutzvereins Rendsburg, Marc Nadolny. „Tatsächlich werden aber über das ganze Jahr Tiere ausgesetzt.“ Und obwohl der Tierschutz in Deutschland in den vergangenen Jahren einen höheren Stellenwert eingenommen habe, müssten die Tierheime noch immer vielen Tieren helfen.

Aufklärungsarbeit zeigt Wirkung

In Lübeck zeigt die Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre Früchte, wie die Vorsitzende des Tierschutzvereins Lübeck, Ellen Kloth, sagte. „Wir haben aktuell nicht mehr Fundtiere als sonst.“ Häufig riefen Leute schon rechtzeitig an, um Adressen von Tierpensionen oder Privatleuten, die Urlaubspflege anbieten, zu erfragen. Katzen und Kleintiere würden auch häufig im Rahmen der Nachbarschaftshilfe verpflegt.

Auch in Kiel sind nach Angaben von Tierheimleiterin Elisabeth Haase aufgrund der Ferienzeit nicht mehr Tiere im Tierheim. Sie beobachtete allerdings, dass einige Tierhalter ihre Schützlinge lieber über Internetplattformen verkauften. „Da können sie anonym bleiben und bekommen noch Geld für ihr Tier.“

Nach einer längeren Zeit in der Tierschutzarbeit in einem Tierheim bemühe man sich, nicht mehr frustriert zu sein. Aufklärung über auch kostengünstige Urlaubsbetreuung für Hund, Katze und Co. nütze bei einer bestimmten Klientel leider wenig.

Das Husumer Tierheim ist voll

Die Vorsitzende des Husumer Tierschutzvereins, Inke Rath, sagte, das Tierheim sei derzeit voll. Die Einrichtung kümmert sich um Katzen und Kleintiere. Es sei zwar nicht so, dass derzeit mehr Tiere ausgesetzt würden als den Rest des Jahres, da hätten Aufklärungskampagnen gefruchtet. Aber in der Urlaubszeit würden eben auch weniger Tiere vermittelt.

Der Tierschutzbeauftragte des Tierschutzvereins in Pinneberg Peter Dorendorf, sagte, zur Urlaubszeit gebe es schon mehr Fundtiere.

Anders als zu anderen Zeiten seien diese oft gut genährt und hätten ein glänzendes Fell. „Und trotzdem laufen sie frei rum.“ Manchmal stünden dann Wochen später Menschen braun gebrannt vor der Tierheimtür und sagten „sie haben meinen Hund oder meine Katze“, sagte Dorendorf. Er kenne aber auch die anderen Fälle, die wo sich Menschen die Beine ausrissen, um eine Urlaubs- oder Krankheitsbetreuung für ihr Tier zu finden.

Rechtzeitig um eine Urlaubsbetreuung kümmern

Die Tierheime im Norden raten, sich frühzeitig über eine Ersatzpflege zu informieren, beispielsweise in einer Tierpension. Tierbesitzer, die eine Reise planen, könnten auch im Internet Nachbarschaftshilfen finden.

Einige Tierheime bieten zudem selbst eine beschränkte Anzahl an Plätzen für die Urlaubsbetreuung an. Zudem helfen sie über die Aktion „Nimmst Du mein Tier, nehme ich Dein Tier“ des Deutschen Tierschutzbunds bei der Vermittlung von privaten Urlaubsplätzen.

Bis zum 9. September können Interessierte über die Urlaubs-Hotline des Tierschutzbundes (0228-60496-27) erfahren, welcher Tierschutzverein aus der Region sich beteiligt.

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