UV-Nord fordert „Nachfolgeklima“ : Unternehmer werden rar: Bis zu 50.000 Jobs in Gefahr

Tückisch: Gibt es keine frühzeitige Nachfolgeperspektive im Unternehmen, beobachten Experten eine geringe Neigung, noch zu investieren.
Tückisch: Gibt es keine frühzeitige Nachfolgeperspektive im Unternehmen, beobachten Experten eine geringe Neigung, noch zu investieren.

Tausende Firmeninhaber gehen in Rente. Der Mangel an Nachfolgern bedroht Familienbetriebe im Norden.

fju_maj_0203 von
26. Oktober 2017, 17:22 Uhr

Kiel | Mindestens 10.000 Betriebe mit rund 48.000 Beschäftigten in Schleswig-Holstein benötigen in den nächsten fünf Jahren einen neuen Inhaber – denn dann sind die bisherigen Unternehmer im Rentenalter. Das geht aus einer neuen Studie der Norderstedter Unternehmensberatung „Kern“ hervor. Sie stützt sich im Wesentlichen auf Daten der Industrie- und Handelskammern (IHK).

Besonders betroffen vom Druck, die Unternehmensnachfolge zu regeln, sind die Baubranche, der Groß- und Einzelhandel, das Gesundheitswesen und die Metallverarbeitung. Die Erhebung erfasst 564.443 Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 250.000 und fünf Millionen Euro sowie 65.000 Firmen mit mehr als fünf Millionen Euro Umsatz.

Nach Erkenntnissen des Unternehmensverbandes Nord (UV Nord) beläuft sich die Zahl der Betriebe, die in den nächsten Jahren aus Altersgründen einen Nachfolger benötigen, in Schleswig-Holstein sogar auf 13.000. Daran hängen 50.000 Arbeitnehmer. „Wichtig für den Übergang ist, dass wir ein Gründungs- beziehungsweise Nachfolgeklima schaffen“, sagt UV-Nord-Sprecher Sebastian Schulze. Die Komplexität der Materie und Regularien für die Banken bei der Kreditvergabe schreckten Nachfolger zu oft ab. Um jüngeren Führungskräften Lust auf eine Übernahme zu machen, müssten zudem Rahmenbedingungen wie die Verkehrsanbindung, die digitale Infrastruktur und der Fachkräftenachwuchs stimmen.

Während die Beratung bei Existenzgründungen rückläufig sei, steige der Informationsbedarf für Nachfolgeregelungen, sagt Jörg Koll, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Flensburg. „Daran sieht man, dass die Zahl der Chefs über 60 Jahren zunimmt.“ Sie gehören besonders geburtenstarken Jahrgängen an. Gibt es keine frühzeitige Nachfolgeperspektive, beobachtet Koll eine geringe Neigung, noch zu investieren. Das erschwere wiederum, dass sich Übernahme-Interessenten finden. Auch die IHK hat ihr Engagement für Firmennachfolgen verstärkt. So bietet sie eine Internet-Börse an, dort können sich Existenzgründer und Senior-Unternehmer finden.

Das Wirtschaftsministerium kündigte an, das Thema Nachfolge zum Bestandteil der geplanten Existenzgründungs-Initiative zu machen. Auch solle sich die vom Land angestrebte Meistergründungsprämie nicht nur auf Neugründungen, sondern auch auf die Nachfolge beziehen.

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