Kommentar zu Rettungsfliegern : Unnötige Probleme im Anflug

Mit einem Rettungs-Hubschrauber wurde der Senior mithilfe einer Seilwinde von seinem havarierten Motorboot gerettet.
Rettungshubschrauber sind in SH häufig zur Luftrettung im Einsatz.

In rund 40 Jahren Luftrettung lag die Unfallquote mit Personenschäden bei weniger als 0,01 Prozent. Das klingt nicht nach dringendem Handlungsbedarf. Ein Kommentar von Frank Albrecht.

shz.de von
03. Juni 2014, 08:56 Uhr

Die EU-Kommission hat ein hehres Ziel: Eine neue Verordnung soll den Luftverkehr mit Hubschraubern sicherer machen. Daran gibt es an sich nichts auszusetzen. Doch was die Brüsseler Bürokratie da vorgelegt hat, schießt über das Ziel hinaus – zumindest wenn es um Rettungsflieger geht. Die neue Verordnung stellt ein seit Jahrzehnten gut funktionierendes – und vor allem sicheres – System vor unnötige Probleme. In rund 40 Jahren Luftrettung lag die Unfallquote mit Personenschäden bei weniger als 0,01 Prozent. Das klingt nicht nach dringendem Handlungsbedarf. Rettungsflieger sind Profis, sie landen fast überall. Wenn es sein muss auch mitten in der Stadt auf einer Kreuzung. Aber nun sollen plötzlich viele Landeplätze an Kliniken zu klein sein. Sie fallen durch das neue Raster und dürfen nicht mehr angeflogen werden. Mit fatalen Folgen – denn es geht um Minuten, die über Leben oder Tod entscheiden.

Da ist der Protest der Krankenhaus- und Ärzteverbände mehr als verständlich.

Die Industrie dagegen ist begeistert. Das Regelwerk aus Brüssel zwingt die Luftretter zum Aufrüsten. Sie müssen neue Helikopter mit besonders leistungsfähigen Doppel-Triebwerken kaufen. Maschinen, die erst zehn Jahre alt sind, gelten als nicht mehr sicher genug. Allein der ADAC hat bereits 17 neue Modelle für rund 130 Millionen Euro geordert. Das aber kann nicht jede Rettungsorganisation.

Luftrettung ist immer mit einem Unfall-Risiko verbunden. Es zu minimieren ist Pflicht aller Beteiligten. Die EU aber hat offenbar das rechte Maß verloren. Nicht immer ist alles Wünschenswerte auch machbar.

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