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Akw im Kreis Steinburg : Ungewöhnlich dicke Oxidschicht an Brennstäben in Brokdorf

vom

Für Umweltminister Robert Habeck ist es ein ernst zu nehmender Befund. So könne das Kraftwerk nicht wieder anfahren.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2017 | 17:28 Uhr

Brokdorf | An Brennstäben im Atomkraftwerk Brokdorf im Kreis Steinburg haben sich außergewöhnlich dicke Oxidschichten gebildet. „Dieser Befund ist ernst zu nehmen“, erklärte dazu am Montag der für die Atomaufsicht zuständige Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Hintergrund: Brennelemente und Oxidation

Im Kernkraftwerk Brokdorf befinden sich im Reaktordruckbehälter insgesamt 193 Brennelemente. Sie bilden den Reaktorkern. In einem Brennelement sind 236 Brennstäbe. Sie werden im Reaktorkern mit boriertem Wasser gekühlt. Der im Kühlmittel enthaltene Sauerstoff und der Wasserstoff reagieren dabei im Reaktorbetrieb mit der heißen Metalloberfläche des Brennstabhüllrohres. Dort bildet sich eine leichte Oxidschicht aus. Dies ist normal.

Die Schichtdicke darf ein bestimmtes Maß jedoch nicht überschreiten, da dann das Hüllrohr unzulässig geschwächt wird. Ab einer Schichtdicke von 160 Mikrometer ist nicht ausgeschlossen, dass es zu einem Integritätsverlust des Hüllrohres kommt – es also nicht mehr vollständig dicht ist. Außerdem kann bei einer zu starken Oxidschicht die Wärme vom Brennstab in das Kühlmittel nicht mehr so abgeführt werden wie vorgesehen- der Wärmeübertrag wird also unzulässig beeinflusst.

 

So könne das Kraftwerk nicht wieder anfahren. „Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Mitarbeiter oder die Bevölkerung“, betonte Habeck. Brokdorf ist das einzige Atomkraftwerk in Schleswig-Holstein, das noch Strom produziert. Die Meiler Krümmel (Geesthacht) und Brunsbüttel sind nach Pannen bereits seit Jahren abgeschaltet und seit einiger Zeit endgültig stillgelegt. Sie sollen zurückgebaut werden.

Der Reaktor in Brokdorf ist derzeit für den Wechsel von Brennelementen und die Jahresrevision vom Netz. Bei diesen Routineaufgaben wurden den Angaben zufolge im Reaktorwasser außergewöhnlich viele Schwebestoffe festgestellt. Diese stellten sich als abgelöste Teile der Oxidschicht heraus. Die anschließenden Messungen ergaben Oxidschichtdicken, die die Grenzwerte und Zuwachsprognosen an einigen Stellen deutlich überschreiten.

Dass Brennstäbe außen oxidieren, sei üblich, sagte Habeck. Aber ein solch schnelles und starkes Anwachsen der Schicht wie jetzt in Brokdorf sei in Deutschland noch nicht bekannt geworden. Dies dürfe nicht geschehen. Die Schichtdicke darf ein bestimmtes Maß nicht überschreiten. Sonst könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Hüllrohr, das die hoch radioaktiven Uranpellets umschließt, nicht mehr vollständig dicht ist, informierte das Umweltministerium. Zudem könne bei einer zu dicken Schicht die Wärme vom Brennstab in das Kühlmittel nicht mehr wie vorgesehen abgeführt werden.

Der Betreiber PreussenElektra teilte mit, bei der planmäßigen visuellen Inspektion sei festgestellt worden, „dass einzelne Brennstäbe eine das übliche Maß übersteigende Oxidschicht aufweisen“.

Auf den sicheren Betrieb hatten diese Befunde demnach keine Auswirkung. „Die Barrierefunktion der Brennstäbe war zu jeder Zeit garantiert.“ Das Unternehmen kündigte an, die eigentlich bis zum 24. Februar geplante Revision bis zum 3. März zu verlängern und in dieser Zeit die Ursachen für die erhöhte Oxidation zu suchen. Ob dieser Zeitrahmen ausreichte, konnte Habeck nicht sagen. Derzeit seien die zentralen Annahmen, wie Brennstäbe sich im Kern des Reaktors bei laufendem Betrieb verhalten, infrage gestellt. Habeck machte deutlich, dass ein Wiederanfahren des Kraftwerks erst in Betracht komme, wenn die Ursache geklärt und ausgeschlossen sei, dass sich das Problem an anderen Brennstäben wiederholt.

Nach Angaben von PreußenElektra liegt das Vorkommnis unterhalb der siebenstufigen internationalen Skala zur sicherheitstechnischen Bewertung von Vorkommnissen in Kernkraftwerken („Stufe 0“). Der Aufsichtsbehörde wurde es nach der Kategorie „E“ („Eilt“) fristgerecht innerhalb von 24 Stunden gemeldet.

Das Atomkraftwerk Brokdorf im Kreis Steinburg soll nach dem Willen der Grünen im Bundestag und des schleswig-holsteinischen Umweltministers Robert Habeck zwei Jahre früher stillgelegt werden als bisher geplant.

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