Deutsche Umwelthilfe : Umweltfreundlichlichkeit: Flotte der Landesregierung im Mittelfeld

Robert Habeck

Robert Habeck fährt einen BMW 740e iPerformance, ein Benzin/Hybrid-Auto. Im Ländervergleich belegt sein Dienstwagen nur den zwölften Platz.

Umweltminister Robert Habeck ist der Ansicht, dass die Fahrzeuge des Landeskabinetts weniger Kraftstoff verbrennen sollten.

shz.de von
14. August 2018, 16:04 Uhr

Kiel | Die Umweltfreundlichkeit des Fuhrparks der Landesregierung hat Schleswig-Holsteins scheidender Umweltminister Robert Habeck (Grüne) nicht so weit steigern können wie erhofft. „Wir haben verschiedene Vorstöße unternommen, die Flotte der Dienstfahrzeuge stärker auf erneuerbare Antriebe umzustellen“, sagte der Grünen-Politiker. „Aber wir kommen nicht gegen die Dumpingpreise der großen Automobilhersteller an – das ist ja das Perverse: Je größer die Fahrzeuge sind, umso günstiger sind die Leasingraten.“

Andere Hersteller außerhalb Deutschlands hätten diese Dumpingpreise nicht. „Ein Kollege von mir wollte sich einmal über die billigen Leasingraten hinwegsetzen und hat sich ein Elektroauto aus dem Ausland als Dienstwagen angeschafft“, sagte Habeck. „Das hat ihn fast seinen Posten gekostet, weil das Auto für den Landeshaushalt eben sehr viel teurer war. Diese Allianz der deutschen Automobilhersteller haben wir nicht geknackt.“

Bundesweit liegen die Minister aus dem nördlichsten Bundesland beim CO2-Ausstoß im Ländervergleich auf Platz acht. Eine am Dienstag in Berlin vorgelegte Auswertung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) führt Bremen vor Hamburg an. Im Vergleich der Regierungschefs der Länder belegt der Diesel-Dienstwagen von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) mit einem „realen CO2-Ausstoß“ von durchschnittlich 200 Gramm pro gefahrenem Kilometer den vierten Platz, auf Platz eins liegt der Hybrid seines Bremer Kollegen Carsten Sieling (SPD).

Unter den Ministerin im Kabinett Günther hat der Diesel-Pkw von Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) mit 196 Gramm pro Kilometer den niedrigsten, der Wagen von Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) mit 229 Gramm den höchsten CO2-Ausstoß. Umweltminister Habeck fährt einen BMW 740e iPerformance, ein Benzin/Hybrid-Auto. Den Verbrauch gibt das Innenministerium mit 2,2 Litern je 100 Kilometern an, den CO2-Ausstoß unter Berufung auf den Hersteller mit 50 Gramm je Kilometer. Im Ländervergleich belegt Habecks Dienstwagen nur den zwölften Platz.

Hamburger Senat vergleichsweise schadstoffarm unterwegs

Der rot-grüne Hamburger Senat ist mit seinen Dienstwagen vergleichsweise CO2-arm unterwegs. Auch im Vergleich der Regierungschefs der Länder belegt der Diesel-Dienstwagen von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) demnach mit einem „realen CO2-Ausstoß“ von durchschnittlich 198 Gramm pro gefahrenem Kilometer den zweiten Platz hinter dem Hybrid seines Bremer Amtskollegen Carsten Sieling (SPD).

Den höchsten CO2-Ausstoß unter den Hamburger Senatorinnen und Senatoren hat laut Umwelthilfe mit 204 Gramm pro Kilometer der Hybrid von Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos); den geringsten der Diesel seiner Stadtentwicklungskollegin Dorothee Stapelfeldt (154 g/km).

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) kommt mit seinem Hybrid demnach auf 165 Gramm CO2 - unter seinen Länderkollegen der zweitbeste Wert und deutlich weniger klimaschädlich als der Wagen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD/200 g/km).

Die rote Laterne unter den Länderchefs in Sachen CO2-Ausstoß ihrer Dienstlimousinen trägt Tschentschers Berliner Amtskollege und Parteifreund Peter Müller. Dessen 390 PS starker Benziner rollt laut DUH mit real 408 Gramm CO2 pro Kilometer durch die Hauptstadt. Im Flottenvergleich belegt die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen mit durchschnittlich 246 Gramm den letzten Platz.

Die „reale“ Definition der DUH ist nicht identisch mit den Angaben zum offiziellen CO2-Normausstoß der Autohersteller, die deutlich tiefer liegen. Bei ihrer eigenen Erhebung berechnet die Umwelthilfe die durchschnittliche Abweichung der Herstellerdaten von Messwerten im tatsächlichen Fahrbetrieb. Sie stützt sich dabei auf Methoden des Umweltforschungsverbunds ICCT, der den VW-Abgasskandal mit aufdeckte.

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