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Kommentar : Umfrage zur Landtagwahl: Demoskopische Überraschung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum die Nord-CDU fünf Monate vor der Landtagswahl in einer Umfrage vor der SPD liegt.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2016 | 19:48 Uhr

Kiel | Da stolpert die schleswig-holsteinische CDU von einer in die nächste quälende Personaldebatte, wechselt binnen sechs Jahren viermal den Landesvorsitzenden aus – und dann ein solches Umfrageergebnis! 34 Prozent, das dürfte in etwa das Stammwählerpotenzial der Nord-Union sein. Aber acht Punkte vor der SPD? Das ist – auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist – schon eine faustdicke demoskopische Überraschung.

Mit eigener Stärke der Christdemokraten freilich hat das einstweilen wenig zu tun. Eher spricht aus den Daten der für die Union derzeit positive Bundestrend. Der läuft – und auch das lässt sich aus den Zahlen im Bund wie im Land herleiten – seit Längerem gegen die SPD. Mag die Umfrage aktuell auch keine wirkliche Wechselstimmung im Land signalisieren – immerhin ist jeder Zweite mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden – kommt die SPD nicht aus ihrem Tief heraus, dann wird es sehr, sehr schwer werden für die Sozialdemokraten, nach der Landtagswahl am 7. Mai auch die nächste Regierung in Kiel zu führen.

Deshalb ist diese Umfrage auch ein Warnschuss für das politische Spitzenpersonal der schleswig-holsteinischen SPD. Es reicht eben nicht, die vermeintliche eigene Stärke aus der vermeintlichen Schwäche der politischen Konkurrenz herzuleiten. Die Gefahr, mit einer solchen Fehleinschätzung am Ende zu scheitern, bestand und sie besteht – auch und vor allem, weil mit Torsten Albig ein über die Maßen selbstgefälliger und selbstzufriedener Ministerpräsident die Regierungsgeschäfte führt. Aber führt er wirklich oder führt er nur scheinbar, weil er der Amtsträger ist? Freundliche Reden zu halten sind das eine. Als Chef und Kopf einer Landesregierung identifizierbar zu sein, statt Partei- und Fraktionschef Ralf Stegner das Geschäft zu überlassen, wirkt weder ambitioniert, noch ist es klug. Fakt ist: Kein anderer hat der Küstenkoalition so den Stempel aufgedrückt wie Stegner.

Ein Selbstgänger wird die Landtagswahl für Albig und Co. nicht. Mit dem neuen CDU-Landesvorsitzenden Daniel Günther wird Albig im Wahlkampf einem Herausforderer begegnen, der den erkennbaren Willen hat, Ecken und Kanten zu zeigen. Langweilig wird es bis zum Frühjahr nicht werden. Und das ist gut so. Alternativlos ist nichts und niemand. Deshalb haben wir am 7. Mai die Wahl.

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