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Landtagswahl in SH : Ulrich Schippels (Linke): „Ich habe echt Optimismus“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Spitzenkandidat Uli Schippels setzt auf das Thema soziale Gerechtigkeit - und auf die Schützenhilfe von Sahra Wagenknecht.

Kiel | Martin Schulz. Kaum fällt der Name, reckt sich Ulrich Schippels, fixiert über die schmale Brille hinweg lächelnd sein Gegenüber und legt los mit einer Dankrede. Tenor: Einen besseren Wahlkampfhelfer als den SPD-Kanzlerkandidaten hätte sich die Linke in Schleswig-Holstein kaum wünschen können, denn: „Die von Schulz neu angestoßene Debatte um soziale Gerechtigkeit ist genau unser Thema, davon profitieren wir ganz klar“, sagt der Spitzenvertreter der Partei „Die Linke“ für die Landtagswahl am 7. Mai.

Wie bei den Grünen gibt es auch in der Linkspartei die Spitzenkandidatur im Doppelpack: eine Frau, die Soziologin Marianne Kolter aus Pinneberg, auf Platz 1, ein Mann, der Politologe „Uli“ Schippels aus Kiel, auf Platz 2 auf der Landesliste. Für dieses Gespräch hat Kolter, ganz Gentlewoman, ihrem Kollegen den Vortritt gelassen.

Schippels, von 2009 bis 2012 bereits Landtagsabgeordneter für die Linke, schlägt als Treffpunkt den „Legienhof“ vor. Das 1907 eröffnete Gewerkschaftshaus sei ein historischer Ort, „nicht nur für Kiel als Arbeiterstadt“. Wo im November 1918 der Arbeiter- und Soldatenrat „Krieg und Kaiserreich beerdigte“, böten die Gewerkschaften anerkennenswert bis heute Raum für Kommunikation und Diskussion. Überhaupt die Gewerkschaften: Ihnen fühle er sich von Kindesbeinen auf eng verbunden: „Mein Vater war Personalrat bei der Post.“

Der 53-Jährige sitzt in Jeans und Fleece-Pullover im Legienhof-Restaurant, mit dem Rücken zur Wand und freiem Blick in den Raum. Bereits nach wenigen Minuten ist klar: Dieser Politiker versteckt sich nicht hinter Abschirmformeln, sondern redet offen. Zum Beispiel über Sahra Wagenknecht. Ihre Warnungen vor einer Flüchtlingspolitik, bei der die unterprivilegierten Deutschen zu kurz kämen, sind auch in der Linkspartei höchst umstritten. Doch Schippels urteilt gnädig: „Über die Jahre hat sie jetzt doch fast original die Positionen von Oskar Lafontaine eingenommen.“ Und ganz Wahlkampf-Realo: „Auf Sahra Wagenknecht können wir nicht verzichten.“ Zu ihrem Auftritt Ende April in Kiel rechne er mit 1000 Zuhörern, andere Redner der Linken müssten mit 100 zufrieden sein.

„Der Trump-Effekt rüttelt die Parteien auf.“

Wie in der SPD bringe Martin Schulz auch die Basis in der Linken auf Trab. Zur Mitarbeit für den Landtagswahlkampf in Kiel hätten sich 28 Mitglieder angemeldet, für den versierten Parteifunktionär eine positive Überraschung: „Die Bereitschaft, etwas zu tun, ist so groß wie nie.“ Derzeit zähle der Linken-Landesverband 1050 Mitglieder, mit steigender Tendenz. Was auch mit den USA zu tun haben könnte: „Der Trump-Effekt rüttelt die Parteien auf.“

Politisierende Impulsgeber für den jungen Schippels waren die Anti-Atomkraft-Demonstrationen, die Friedensbewegung und die Hausbesetzer-Szene in Kiel. Der Kieler engagiert sich bis heute als Umwelt-Besorgter, zunächst bei den Grünen („Ich bin grüner als Habeck“). Dann wechselt er, nicht zuletzt als Bewunderer von Gregor Gysi, 1991 zur PDS. Wesentlicher Grund: der Kampf der Partei gegen die Armut. Als Land, das seinen Vorstellungen einer sozial ausgerichteten Demokratie am nächsten kommt, nennt der Spitzen-Linke „das Schweden von Olof Palme“. Und was war mit der DDR? Schippels: „Ich war nie Kommunist.“ Er sei froh, dass es für deren unbelehrbare Anhänger immer noch die DKP gebe: „Sonst wären die ja bei uns.“ Auf Landesebene sieht der Kieler, der jetzt für die Linken-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung arbeitet, seine früher von Grabenkämpfen durchfurchte Linke gefestigt – allerdings noch mit Schwachstellen in Neumünster und Ostholstein.

Für den Wahlkampf im nördlichsten Bundesland stelle die Bundespartei 284.000 Euro bereit, gedacht für Großplakate, 150.000 Exemplare des Wahlprogramms in Kurzform, Kandidatenmaterial, Wahlspots für Fernsehen und Radio – und erstmals auch auf bezahlte Anzeigen bei Facebook, bei denen Profile bestimmter User ausgewertet werden. „Wer da AfD-Parolen zeigt, kriegt von uns natürlich nichts“, sagt Schippels. Privat werde er in den sozialen Medien nichts von sich preisgeben, aber im politischen Werben komme niemand mehr um Smartphones herum.

Wird es denn diesmal reichen für den Einzug in den Landtag? Der Linke zögert kurz, verweist dann auf seit Monaten stabile Umfragewerte um die fünf Prozent: „Ich habe echt Optimismus.“ Und legt sich für die Ministerpräsidentenwahl schon mal fest: „Torsten Albig kann mit unseren Stimmen rechnen.“ Ob die Linke sich aber in eine Koalition einbinden ließe, hänge von den Sachthemen ab. Schippels: „Mir geht es um Inhalte, nicht um Regierungsposten.“ Vorrangig soll mehr Geld für Bildung und Arbeitsförderung zur Verfügung gestellt werden, was angesichts voller Staatskassen endlich realisiert werden müsse. Für den Wahlerfolg will Schippels jedenfalls alles geben: „Ich habe sogar schon überlegt, ob ich mal wieder zum Friseur gehen sollte.“

Weitere Porträts zur Landtagswahl

 

Porträts der weiteren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl lesen Sie in den kommenden Tagen auf shz.de.

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