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Fischsterben in SH : Überall tote Fische: Die Ostsee hat ein Sauerstoffproblem

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Der Sauerstoffgehalt in der westlichen Ostsee beträgt weniger als 10 Prozent - normalerweise werden über 80 Prozent gemessen.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 16:19 Uhr

Kiel/Flensburg/Eckernförde | Donnerstag ist der dritte Tag in Folge an dem der Sauerstoffgehalt in der westlichen Ostsee unter 10 Prozent liegt. Bereits am Dienstag waren Bilder vom Strand in Eckernförde zu sehen: tote Fische soweit das Auge reicht.

Eine tote Lachsforelle am Strand.

Eine tote Lachsforelle am Strand.

Foto: Daniel Friederichs

Inzwischen melden sich Leser aus anderen Teilen Schleswig-Holsteins, und berichten von weiteren toten Fischen. André B. schickte am Donnerstag Bilder aus Bockholm in der Flensburger Förde.

<p>Auch in der Flensburger Förde bei Holnis schwimmen die toten Fische an der Oberfläche. </p>

Auch in der Flensburger Förde bei Holnis schwimmen die toten Fische an der Oberfläche.

Foto: André B.

In einem Video auf Facebook ist zu sehen, wie sich auch in der Kieler Förde lebendige Fische neben toten an der Oberfläche tümmeln, um an Sauerstoff zu kommen. Wenn die Fische keinen Sauerstoff mehr zum Atmen haben, schwimmen sie oft an die Oberfläche, wo der Sauerstoffgehalt für gewöhnlich höher ist.

Warum sterben die Fische?

Einfach gesagt: Den Fischen geht die Luft aus. Der normale Sauerstoffgehalt im Wasser beträgt etwa 86 Prozent. Am Dienstagvormittag ergaben die Messungen einen Sauerstoffgehalt von 0 Prozent, teilte das Ostsee Info-Center (OIC) am Eckernfördener Strand mit. „Das haben wir noch nie erlebt“, sagt Umweltpädagogin Ulla Grebe-Schmitz.

Wie kommt es zu dem Mangel an Sauerstoff?

Als Ursache für den niedrigen Sauerstoffgehalt im Wasser gibt Grebe-Schmitz die Windverhältnisse mit einer einhergehenden Umschichtung des Wassers in der Bucht an. „Starker Südwestwind hat das Oberflächenwasser gegen das Borbyer Ufer gedrückt. Dort ist es in die Tiefe geflossen und hat das sauerstoffarme Tiefenwasser nach oben verdrängt.“

Zusätzlich sei das Ostseewasser zu nährstoffreich. „Es gibt zu viel organisches Material, so dass sich das Plankton stark vermehrt. Was jedoch nicht gefressen wird, stirbt ab und verbraucht im Fäulnisprozess Sauerstoff.“ Entsprechend extrem ist mit -193 Millivolt der sogenannte Redox-Wert, der unter anderem diesen Prozess abbildet. „So niedrig war er bislang noch nie“, sagt Ulla G.

Wann normalisiert sich der Sauerstoffgehalt wieder?

Nördlichere Winde geben Anlass zur Hoffnung, dass bald salzigeres und damit auch sauerstoffreicheres Wasser in die Ostsee gedrückt wird und den Sauerstoffgehalt wieder steigen lässt. Das geht nicht von heute auf morgen. Grebe-Schmitz erklärt, dass Salzwasser schwerer ist als Süßwasser und sich somit in den unteren Schichten bewegt. Deshalb seien große Kräfte von Nöten, um das Salzwasser über das Kattegat und durch das dänische Inselmeer in der Ostsee zu verteilen.

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