„Mein Lokal, Dein Lokal“ auf Sylt und in Lübeck : TV-Wettkochen: Küchenchefs aus SH erobern das Fernsehen

Restaurantchef als Gegner: Die Stimmung unter den Konkurrenten während des Drehs war gut: René Richter, Pius Regli, Amir Djassemi, Dieter Gärtner und Beatrix Heinicke (von links nach rechts) vor dem Künstler Café in Westerland.
Restaurantchef als Gegner: Die Stimmung unter den Konkurrenten während des Drehs war gut: René Richter, Pius Regli, Amir Djassemi, Dieter Gärtner und Beatrix Heinicke (von links nach rechts) vor dem Künstler Café in Westerland.

Auf Kabel Eins zeigen die Köche erst in Lübeck, dann auf Sylt ihr Können. Der Norden kocht schon lange im TV.

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27. Juli 2015, 12:21 Uhr

Sommer, Sonne, Sylt – in der Ferienzeit lieben nicht nur Urlauber Schleswig-Holstein, auch die Fernseh-Macher fahren scheinbar gern an die Küste. So ließ der „Kochsender“ Kabel 1 diese Woche fünf Lübecker Gastronomen in der Fernsehsendung „Mein Lokal, Dein Lokal – Wo schmeckt’s am besten?“ gegeneinander antreten. Und weil es hier am Meer nach noch mehr schmeckt, wird ab morgen auf Sylt weiter „wettgekocht“.

Die Teilnehmer des kleinen Wochenstreits, bei dem es um 3000 Euro und natürlich um die Ehre geht, müssen unter erschwerten Bedingungen antreten. Kein extra kreiertes Gourmetmenü voll ausgefallener Leckereien soll die Mitkonkurrenten überzeugen: Das alles entscheidende Probeessen findet bei laufendem Betrieb statt und bestellt wird à la Carte. Wo der normale Gast in einem Restaurant vielleicht nur auf den vollen Teller achtet, wissen die Profis genau, worauf es ankommt: Geschmack, Service, Atmosphäre, Sauberkeit, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und natürlich das Gesamtkonzept. Am Ende bewerten die Gastronomen geheim ihren Gastgeber mit Punkten, dabei können maximal zehn erreicht werden.

In der Hansestadt traten mit Kochlöffel und Serviceschürze Michael Buchinger von „Forsthaus“, Manuel Grubert von der „Hafenkante“ in Travemünde, Timo Langner vom jungen Restaurant „Nordwind“, Nachwuchs-Hoffnung Leon Sahin vom historischen „Lachwehr“ und Karola Brinkmann von der „Seaside“ gegeneinander an.

Dem insularen Wettstreit stellen sich die Sylter Dieter Gärtner vom Henry's in Kampen (Montag), Pius Regli vom Manne Pahl in Kampen (Dienstag), Amir Djassemi mit seinem Künstler Café aus Westerland (Mittwoch), Beatrix „Trixi“ Heinicke, Geschäftsführerin des Relax auf der Westerländer Wilhelmstraße, und schließlich René Richter, der die Pforten seines Restaurants Kamp’ner Pesel am Freitag öffnet.

Trotz der Konkurrenz haben sich die Schleswig-Holsteiner Gastronomen gut verstanden. „Natürlich wollten wir uns alle mit unseren Restaurants präsentieren“, sagt René Richter vom Kamp’ner Pesel stellvertretend für alle, „letztendlich war es aber ein großer Spaß.“ Und erklärt, warum er zunächst zögerte, als der Anruf der TV-Macher kam: „Das muss man sich schon gut überlegen, schließlich ist man fünf Tage aus seinem normalen Betriebsablauf rausgerissen.“ Die Dreharbeiten waren für alle sehr anstrengend: Täglich von 9 Uhr morgens bis teilweise halb 3 Uhr nachts wurde an fünf Tagen gedreht. „Das dauert alles sehr lange“, erzählt der Gastronom, „aber wir wussten das ja vorher und konnten uns darauf einstellen.“

Schleswig-Holsteins Kochlöffel-Elite im Fernsehen, das hat Tradition – auch wenn es jetzt so viel „Echter Norden“ auf dem Bildschirm ist, wie noch nie. Einer der TV-Köche der ersten Stunde war Thies Möller. Der Fachlehrer an der beruflichen Schule des Kreises Dithmarschen in Melsdorf lieferte sich mit Britta von Lojewski auf Vox von 1997 bis 2005 das „Kochduell“ und „erfand“ nebenbei verrückte Kochwettbewerbe, wie die „Deutsche Meisterschaft im Wirsing-Pfannkuchen-Wenden“ und die „Welt-Meisterschaft im Krabben-Pfannkuchen-backen“.

Seit 2004 bringt der Glücksburger Dirk Luther das NDR-Fernsehen regelmäßig zum Kochen. Dank seiner Küchenkünste strahlen seit 2008 über dem Restaurant „Meierei“ im Vitalhotel „Alter Meierhof“ durchgängig zwei Michelin-Sterne. 2011 erhielt er den Carlsbergpreis als bestes Hotelrestaurant und 2012 vom Gastroführer Gusto die Höchstbewertung von zehn Pfannen. Einiges auf der Pfanne hat auch Johannes King. Seit 2000 zaubert der Sternekoch im Söl’ring Hof in Rantum auf Sylt. Der „Koch des Jahres 2013“ war regelmäßig Gast in der TV-Sendung „Lanz kocht“.

Und nicht zu vergessen die Nord-Köche, die das Fernsehen zu TV- und Werbestars machte: den Elmshorner Tim Mälzer und den in Pinneberg aufgewachsenen Steffen Henssler. Letzterer begann seine Karriere als Fernsehkoch 2004 im NDR Fernsehen mit einigen Gastauftritten an der Seite von Rainer Sass. Ab August 2007 präsentierte er auf dem Sendeplatz von Tim Mälzers „Schmeckt nicht, gibt’s nicht“ seine Kochsendung „Ganz & Gar Henssler“.

Außerdem kreuzte Henssler regelmäßig in der ZDF-Küchenschlacht die Kochlöffel und trat in der Kocharena von Vox auf. Auch die Kultserie „Großstadtrevier“ brachte der Pfannenstar zum Kochen, spielte in der Folge 324 „Fahrraddiebe“ sich selbst – als Moderator einer Kochshow. Ab 2013 ließ er sich für Vox grillen und übernahm im vergangenen Jahr die RTL-Sendung „Der Restauranttester“ von Christian Rach.

Der einzige norddeutsche Fernseh-Koch, der im Fernsehen gar nicht kochte, ist der Sylter Holger Bodendorf. Der Sternekoch voller Begeisterung für seine Insel, sein Landhaus Stricker, sein Restaurant Bodendorfs und natürlich für das Kochen fungierte in der TV-Show mit dem markigen Titel „Games of Chefs“ nicht als Meister am Herd, sondern als Motivator und Coach. Eine Rolle, die den 47-Jährigen auch persönlich fasziniert. „Bisher gab es im deutschen Fernsehen vor allem den Koch, der kocht“. Bodendorf glaubt jedoch nicht, dass die Spiele der Chefs eine erfolgreiche Kochsendung ausmachen, sondern eine „gut gemachte Show, ein gutes Format“. Und das kommt immer öfter „ofenfrisch“ aus den Küchen hier im Norden.

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