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Türkischer Geheimdienst MIT : Türken spionieren zwei Schleswig-Holsteiner aus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie sollen Anhänger des Predigers Fethullah Gülen ein - und werden von Ankara als Terroristen eingestuft.

Kiel | Auf den beiden Listen mit in Deutschland lebenden angeblichen Anhängern oder Unterstützern des Predigers Fethullah Gülen, die der türkische Geheimdienst MIT Mitte Februar und Anfang März dem Bundesnachrichtendienst BDN beziehungsweise der Staatssekretärin im Innenministerium, Emily Haber, übergeben hat, stehen auch die Namen von zwei in Schleswig-Holstein lebenden Personen. Das bestätigte Jana Ohlhoff, Sprecherin des Kieler Innenministeriums, auf Anfrage von shz.de.

Ankara macht Gülen für den gescheiterten Putsch im Juli 2016 verantwortlich, bezichtigt dessen Anhänger des Terrorismus. Die deutschen Behörden teilen diese Einschätzung nicht. „Die Türkei hat auf den verschiedensten Ebenen versucht, uns davon zu überzeugen“, sagte BND-Chef Kahl kürzlich: „Das ist ihr aber bisher nicht gelungen.“

Die deutschen Sicherheitsbehörden sind inzwischen dazu übergegangen, die auf der Liste aufgeführten Türken vor der Bespitzelung durch den MIT zu warnen. Auch die beiden vom türkischen Geheimdienst in Schleswig-Holstein ausspionierten werden von den Sicherheitsbehörden des Landes darüber informiert, bestätigte Ohlhoff. Gleichzeitig ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen mehrere MIT-Agenten sowie wegen des Verdachts der Spionage beim bundesweiten Dachverband der türkischen Moscheegemeinden, Ditib.

Die Ditib ist mit insgesamt rund 900 Gemeinden der größte islamische Einzelverband in Deutschland. Einige Ditib-Imame sollen Informationen über angebliche Gülen-Anhänger an die türkische Regierung weitergeleitet haben. Zugleich haben sich mehrere Imame, die als Gefängnisseelsorger in Nordrhein-Westfalen eingesetzt waren, geweigert, sich den dafür notwendigen Sicherheitsüberprüfungen zu unterziehen. Für die beiden in Schleswig-Holstein tätigen muslimischen Gefängnisgeistlichen trifft dies jedoch nicht zu, so die Sicherheitsbehörde.

In Schleswig-Holstein leben rund 15.000 Türken. Die Türkei zählt neben Polen, Dänemark, Russland und Italien zu den Hauptherkunftsländern der in Schleswig-Holstein lebenden Ausländer. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt länger als zehn Jahre in Deutschland (54 Prozent), fast jeder Dritte sogar schon länger als 20 Jahre.

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erstellt am 14.Apr.2017 | 18:26 Uhr

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