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Atomausstieg : Trotz Verbots: Vattenfall will Brennstäbe in Brunsbüttel lagern

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Atomkraftwerk wird zurückgebaut. Doch die Radioaktivität könnte bleiben. Brennstäbe sollen in Castoren geparkt werden.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 14:50 Uhr

Brunsbüttel | Der Stromkonzern Vattenfall ist auf der Suche nach einer geeigneten Lagerstätte für hochradioaktives Material aus dem Atomkraftwerk Brunsbüttel. Nun scheint sich eine Lösung anzubahnen: Vattenfall will 517 Brennelemente aus dem Atomkraftwerk Brunsbüttel in seinem dortigen Zwischenlager parken. Da der Konzern das Lager derzeit aber nur mit Duldung der Atomaufsicht betreibt, ist dies bisher nicht erlaubt. Nun muss die Atomaufsicht in Kiel das Ansinnen des Betreibers rechtlich prüfen. „Dieses Anliegen ist nachvollziehbar“, sagte Schleswig-Holsteins für Reaktoraufsicht zuständiger Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Deutschland sucht nach einem geeigneten Standort für ein atomares Endlager. Bis dahin muss der Müll aber irgendwo hin. Deshalb werden Zwischenlösungen gesucht. Ob die hochradioaktiven Brennstäbe in einem Zwischenlager wie in Brunsbüttel aber solange wirklich „sicher“ lagern, wird angezweifelt.

Nach Angaben von Vattenfall sollen die noch im Reaktordruckbehälter befindlichen Brennelemente in bereits vorhandene Castor-Behälter verladen werden. Die Castoren sollen dann an einem „geeigneten Ort“ auf dem Kraftwerksgelände abgestellt werden. Dafür böte sich laut Vattenfall „vorzugsweise das Gebäude des Standort-Zwischenlagers auf dem Kraftwerksgelände an“.

„Wir halten es für sinnvoll, die abgebrannten Brennelemente frühzeitig in die Castor-Behälter zu verladen und schon jetzt zur späteren Zwischenlagerung bereitzustellen“, sagte Vattenfall-Geschäftsführer Pieter Wasmuth. Sobald sich eine dauerhafte Lagerung ergebe, könnten die Behälter ohne Verzögerung überführt werden - entweder in das dann neu genehmigte Standort-Zwischenlager oder in ein anderes.

Nach Angaben der Atomaufsicht sind in Brunsbüttel mittlerweile genügend Castor-Behälter für die 517 Brennelemente vorhanden. Dafür werden elf Behälter benötigt. Eine Voraussetzung für den Beginn des bereits 2012 von Vattenfall beantragten Abbaus des Reaktors ist, dass sich keine Brennelemente mehr im Druckbehälter befinden.

Umweltminister Habeck will nun von einem Gutachter klären lassen, „inwiefern konkret am Standort Brunsbüttel Trockenlagerung in Castor-Behältern geeigneter ist als die Nasslagerung im über 40 Jahre alten Reaktorgebäude und ob dies dazu führt, die Sicherheit zu optimieren“. Dies wäre eine Voraussetzung für eine Genehmigung des Vattenfall-Antrags. Die Atomaufsicht will zudem prüfen, ob die Pläne des Stromkonzerns von der gültigen Betriebsgenehmigung für das Kernkraftwerk gedeckt sind.

Derzeit verfügt das Standort-Zwischenlager in Brunsbüttel über keine atomrechtliche Genehmigung. Im Januar 2015 hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Aufhebung der Genehmigung durch das Oberverwaltungsgericht Schleswig (OVG) vom Juni 2013 bestätigt. Seitdem arbeitet das Zwischenlager mit einer bis 2018 befristeten Duldung der Atomaufsicht. Vattenfall hat im November bereits eine neue Genehmigung beantragt.

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