Wesselburenerkoog : Touristenattraktion: Küstenseeschwalben brüten am Eidersperrwerk

Dieses Mal nur kleine Beute: Eine Küstenseeschwalbe fliegt mit einem Krebs im Schnabel zu ihrem Nest. Sie will mit ihrer Beute ihr Junges füttern.

Dieses Mal nur kleine Beute: Eine Küstenseeschwalbe fliegt mit einem Krebs im Schnabel zu ihrem Nest. Sie will mit ihrer Beute ihr Junges füttern.

Bereits seit einigen Jahren brüten die Tiere am Küstenschutzbauwerk. Das Nahrungsangebot ist dort besonders reichlich.

shz.de von
08. Juli 2018, 08:38 Uhr

Wesselburenerkoog | Eine kleine Kolonie der Küstenseeschwalben entpuppt sich wieder als Touristenattraktion. Am Eidersperrwerk erlaubt der Vogel mit dem blutroten Schnabel erneut Vogelfreunden einen Blick in seine Kinderstube – während er woanders seinen Nachwuchs aggressiv gegen Menschen und Raubtiere verteidigt.

Nach Angaben der Nationalparkverwaltung suchen sich die taubengroßen Vögel normalerweise abgelegene Bereiche zum Nisten: Zum Beispiel spärlich bewachsene Inseln, Sanddünen oder Kiesbetten.

Eine Küstenseeschwalbe bringt ihrem Nachwuchs einen Krebs zum Fressen.
Wolfgang Runge/dpa

Eine Küstenseeschwalbe bringt ihrem Nachwuchs einen Krebs zum Fressen.

 

Grund für den ungewöhnlichen Brutplatz auf dem asphaltierten Deich ist der reich gedeckte Tisch direkt vor der Kolonie, sagt Bernd Haelterlein von der Ornithologische Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg. „Ebbe und Flut strudeln im Bereich des Sperrwerks sehr viele Fische wie Stint und Seenadel, aber auch kleine Krebse an die Oberfläche, wo sie leicht zu erbeuten sind.“ Die Kolonien an Deutschlands größtem Küstenschutzbauwerk gibt es schon seit einigen Jahren. Auf den Flächen links und rechts der Flussmündung ziehen in diesem Jahr 756 Küstenseeschwalben, 20 Flussseeschwalben sowie mehr als 1000 Lachmöwen ihren Nachwuchs auf, wie eine Sprecherin der Umweltorganisation Nabu sagt.

Küstenseeschwalben sind schnelle, wendige Flieger, die ihren Nachwuchs aggressiv, mit lautem Geschrei und energischen Attacken gegen Menschen und Tiere verteidigen. Am Eidersperrwerk haben sie jedoch kein Problem mit den vielen Menschen, die zum Teil mit Reisebussen ankommen: „Sie wittern keine Gefahr, solange man hinter der Barriere bleibt“, sagte Haelterlein.

Die erste Brut mit insgesamt 137 Küken war laut Nabu nicht so erfolgreich.
Wolfgang Runge/dpa

Die erste Brut mit insgesamt 137 Küken war laut Nabu nicht so erfolgreich.

 

Von dort aus kann man Küstenseeschwalben beim Brüten beobachten, während ein paar Meter weiter Jungvögel schon erste, noch ungeschickte Flugversuche unternehmen. „Viele Küstenseeschwalben sitzen schon auf den zweiten Gelegen“, sagte die Nabu-Sprecherin: Die erste Brut sei mit insgesamt 137 Küken „nicht so erfolgreich“ gewesen.

Diese 137 hungrigen Schnäbel gilt es zu „stopfen“. Das sei nicht immer leicht, weil die Eltern nicht nur schlanken, „geschmeidigen“ Fisch für ihren Nachwuchs fangen. Oft kehrten sie mit einem sperrigen Krebs von ihrem Jagdausflug zurück. Ein großer Brocken für eine kleine Küstenseeschwalbe, an dem sie manchmal mehrere Minuten langt würgt, bevor mit Hilfe der Eltern auch das letzte Krebsbein seinen Weg in den Schlund gefunden hat.

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