zur Navigation springen

Obduktionsbericht : Toter Seeadler auf Pellworm: Hat er Blei-Munition gefressen?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im August fanden Touristen den toten Vogel. Er starb durch Blei oder ein Insektizid.

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2016 | 08:28 Uhr

Pellworm | Der König der Lüfte lag Ende August 2015 am Boden. Tot wurde das Tier auf der Nordseeinsel Pellworm von Touristen aufgefunden. Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer bargen den große Greifvogel. Jetzt scheint festzustehen: Der Seeadler ist an einer Bleivergiftung gestorben. Zu diesem Ergebnis kommt der Obduktionsbericht des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Die Wissenschaftler stellten einen sehr schlechten Ernährungszustand des weiblichen Greifvogels verbunden mit einer starken Schädigung der Leber fest. Die toxikologische Untersuchung wies eine Bleikonzentration nach, die um ein Vielfaches höher als normal war.

Greifvögel wie Seeadler, Rotmilane und Mäusebussarde verenden in Schleswig-Holstein oft infolge von Vergiftungen. Seit 2008 sind nachweislich 30 Greifvögel durch Gift getötet worden.

„Das Gift könnte aus bleihaltiger Jagdmunition stammen“, sagt dazu Harald Förster, Geschäftsführer der Schutzstation Wattenmeer in Husum. Der junge Adler habe möglicherweise Reste von Wildkadavern gefressen und dabei feine Partikel des Schwermetalls mit der Nahrung aufgenommen.

„Seeadler ernähren sich neben Fischen und Wasservögeln auch sehr gern von Aas“, erläutert Heinrich Ewers vom Verein für Naturschutz und Landschaftspflege Mittleres Nordfriesland, der auf Pellworm große Flächen naturschutzfachlich betreut. Auch kleine Bleimengen könnten über längere Zeit aufgenommen zu einer chronischen Vergiftung und einem langsamen Verhungern der Tiere führen. Bleivergiftung ist eine der häufigsten Todesursachen bei Seeadlern in Deutschland.

Neben Blei sei allerdings auch eine Vergiftung des aufgefundenen Seeadlers mit Giftködern nicht ganz auszuschließen, so die Schutzstation Wattenmeer. Denn: Abbauprodukte des Insektizids DDT wurden ebenfalls nachgewiesen, das bereits seit Jahrzehnten verboten ist und sich in der Nahrungskette nicht mehr anreichern sollte. Ein Rückschluss auf den Ort der Aufnahme sei allerdings nicht möglich. „Die Ausbringung von Giftködern ist illegal und muss wesentlich härter bestraft werden“, fordert Förster. Gemessen an der Vielzahl vergifteter Greifvögel sei dieses wohl eine weit verbreitete und vielfach praktizierte Methode, um Greifvögel unauffällig zu dezimieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen