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Lübeck : Toter Juri aus Eutin: Mutter soll für sechs Jahre in Haft

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Die Staatsanwaltschaft geht von Totschlag aus. Die Mutter habe ihre Sohn erdrosselt, um ihren Stress abzubauen.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 13:05 Uhr

Lübeck | Im Prozess um den gewaltsamen Tod des kleinen Juri hat die Staatsanwaltschaft am Freitag gefordert, die Mutter des Jungen wegen Totschlags zu sechs Jahren Haft zu verurteilten. Da die 34-Jährige nach Aussage der psychiatrischen Sachverständigen unter einer emotionalen Persönlichkeitsstörung leide und potenziell gefährlich sei, solle sie bis auf weiteres in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden, sagte Staatsanwalt Nils-Broder Greve.

Ein süßer Knirps, der in die Kamera strahlt. So will ihn sein Vater in Erinnerung behalten.
Ein süßer Knirps, der in die Kamera strahlt. So will ihn sein Vater in Erinnerung behalten. Foto: Privat
 

Der 34-Jährigen wird vorgeworfen, im April 2016 in Eutin ihren zweieinhalb Jahre alten Sohn Juri mit seinem Schlafsack erdrosselt zu haben.  Bis zum Schluss hat die Angeklagte die Tat bestritten. „Mein Leben ist ohne mein Kind nicht wertvoll. Ich habe doch immer alles für ihn getan“, sagte sie unter Tränen. Sie nannte ihn „meinen kleinen Engel, der nicht mehr bei mir ist“. 

Im Prozess hatte die Angeklagte die Stunden vor Juris Tod als ganz normalen Abend geschildert. Sie habe noch ein bisschen mit ihm herumgetobt, weil er nicht schlafen wollte. Dann habe sie dem Jungen seinen Kinderschlafsack angezogen und ihn in sein Bettchen gelegt. „Als ich das Zimmer verließ, war noch alles in Ordnung, und am nächsten Morgen war er tot“, sagte sie.

Ihr Lebensgefährte hatte ausgesagt, Juri sei in seinem Schlafsack noch einmal zum Gute-Nacht-Sagen ins Wohnzimmer gekommen. Dann habe die Mutter das Kind ins Schlafzimmer gebracht und sei nach etwa zwei bis drei Minuten zurückgekommen. Was in dieser Zeit geschah, ist unklar. Nach Aussagen des Gerichtsmediziners starb Juri zwischen 20 Uhr und 22.30 Uhr durch Erdrosseln, für einen Unfall gab es keine Anhaltspunkte. Der Todeskampf des Kindes habe mindestens drei Minuten gedauert. 

Die Staatsanwaltschaft und auch der Anwalt, der Juris leiblichen Vater als Nebenkläger vertritt, gingen nach der Beweisaufnahme davon aus, die Angeklagte habe Angst gehabt, ihren damaligen Lebensgefährten zu verlieren. Da sie mit der Situation überfordert gewesen sei, habe sie Juri als ihren „größten Stressfaktor“ beseitigt, sagte Greve. Die Nebenklage ging mit ihrer Forderung nach acht Jahren Haft und Unterbringung in der Psychiatrie noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus.

Die Verteidigung beantragte dagegen eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung in einem minderschweren Fall. Einen konkreten Antrag stellte sie nicht.  Ein Tötungsvorsatz habe der 34-Jährigen nicht schlüssig nachgewiesen werden können, sagte der Verteidiger zur Begründung.

Das Urteil soll am 28. Februar verkündet werden.

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