200 neue Arbeitsplätze : Toshiba-Lok: Kiel entwickelt Prototyp

Minister Reinhard Meyer äußerte sich zu Chancen und Herausforderungen im Tourismus und Gastgewerbe.
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Minister Reinhard Meyer äußerte sich zu Chancen und Herausforderungen im Tourismus und Gastgewerbe.

Japaner verlegen Gesellschaft nach Schleswig-Holstein. Stadt und Land hoffen auf bis zu 200 neue Arbeitsplätze für Serienproduktion.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
25. März 2017, 12:10 Uhr

Für Kiel und Schleswig-Holstein könnte es der Anfang einer großen Geschichte sein. Der japanische Konzern Toshiba wird in Kiel-Gaarden den Prototyp einer Speicher-Hybrid-Lokomotive entwickeln. Ein Sprecher im Kieler Rathaus bestätigte gestern die Einigung zwischen Stadt, Land und dem japanischen Konzern. „Die Entscheidung der Firma Toshiba ist eine große Nummer für den Industriestandort Kiel“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. „Die Kompetenz Kiels als Lokbaustandort wird dadurch deutlich gestärkt.“

Nägel mit Köpfen haben die Japaner bereits gemacht. Die TRG GmbH, in der dem Vernehmen nach die Eisenbahn-Aktivitäten des Konzerns in Deutschland gebündelt werden sollen, wurde gegründet und der Sitz von Düsseldorf in die Diedrichstrasse 9 im Kieler Stadtteil Gaarden verlegt. So ist es dem Handelsregister zu entnehmen. An dem neuen Standort sollen ab Sommer nun 30 Mitarbeiter den Prototyp einer umweltfreundlichen Speicher-Hybrid-Lok entwickeln.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sprach von „einem großen Meilenstein für den Innovationsstandort Schleswig-Holstein, weil es um neue Formen der Antriebstechnologie geht“. Zugleich sah er in dem Ansiedlungserfolg ein Paradebeispiel für die gute Zusammenarbeit von Stadt, Land und Wirtschaftsförderern. Meyer zufolge müsse es nun darum gehen, dass Kiel oder Schleswig-Holstein als Produktionsstandort zum Zuge komme.

In der Tat ist der Prototyp nur die halbe Miete. Im Dezember 2016 hat Toshiba eine umfangreiche Vereinbarung mit der Deutschen-Bahn-Tochter DB Cargo unterzeichnet. Neben der Modernisierung älterer Loks gehört dazu auch die Bestellung der besagten Speicher-Hybrid-Loks. Es wäre ein Millionen-Geschäft. Einem Bericht der „Kieler Nachrichten“ zufolge könnten in diesem Falle 200 neue Arbeitsplätze an der Förde entstehen. „Wir hoffen sehr, dass nicht nur der Prototyp in Kiel entwickelt wird, sondern auch die Loks hier gebaut werden“, sagte Kämpfer. Unklar ist dabei allerdings, ob im Fall der Fälle Toshiba selbst überhaupt die Lok bauen oder nicht nur die Antriebstechnologie beisteuern würde. Bei Vossloh Locomotives in Kiel wäre man jedenfalls dem Vernehmen nach Gesprächen mit den Japanern gegenüber nicht abgeneigt – sofern es sie denn geben würde. Doch dafür müsste die Auftragslage bei Toshiba erst einmal geklärt werden – zugunsten der Fördestadt. Und genau das ist der Haken. Denn Kiel liefert sich hier einen erbitterten Wettstreit mit Rostock. Und dort gibt man sich auch nach der Entscheidung zum Bau des Prototyps weiter äußerst zuversichtlich. Die Gespräche der Hansestadt mit Toshiba hätten sich auf die Serienfertigung konzentriert, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. „Für diese Pläne ist Rostock nach wie vor ein attraktiver Standort“, fügte er hinzu und kippte damit Wasser in den Wein der erfreuten Politik in Schleswig-Holstein. Der für Kiel vorgesehene Prototypenbau sei „von der langfristigen Entscheidung in Sachen Serienproduktion losgelöst“, sagte er. Der Norden muss somit weiter hoffen und strampeln.

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