Ministerinnen : Torsten Albigs Frauen

Ministerpräsident Torsten Albig im Kreise seines Kabinetts. Foto: dpa
Ministerpräsident Torsten Albig im Kreise seines Kabinetts. Foto: dpa

Sie sind neu, sie sind selbstbewusst und sie sind anders: Die Frauen im Kabinett von Torsten Albig. Doch können sie auch den politischen Stil des Landes verändern?

shz.de von
09. Juli 2012, 01:30 Uhr

Kiel | Die Bedingung war ungewöhnlich. "Hätte ich Wolpino nicht mitbringen dürfen, wäre ich nicht Ministerin geworden." Die neue Bildungsministerin Waltraud Wende meint das ernst, denn ihr fünfjähriger Norfolk-Terrier soll sie begleiten in ihrem neuen Job. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) war jedenfalls einverstanden, schließlich wollte er Wende in seinem "starken Team", dem bewusst genauso viele Frauen wie Männer angehören. Sie sollen dafür sorgen, dass sich der politische Stil ändert. Aber können sie das auch?

Anke Spoorendonk (SSW), Justiz, Europa, Kultur
"Ja", sagt Anke Spoorendonk. Die Frontfrau des SSW sitzt seit 1996 im Landtag, krönt ihre politische Arbeit jetzt mit dem Job der Justizministerin. "Frauen sind nicht besser als Männer, aber anders. Frauen diskutieren nicht nur rational-formal, sondern fragen: Was heißt das für den Einzelnen?", sagt die 64-Jährige. In der Regierung nehme zur Zeit der Tagesordnungspunkt "Verschiedenes" noch breiten Raum ein, weil alle Lust hätten, sich auszutauschen. Der Ministerpräsident finde diesen "Selbstfindungsprozess" okay, habe aber schon signalisiert, dass die wichtigen Punkte auch früher abgearbeitet werden sollten, erzählt Spoorendonk.

Die Opposition hat sie offenbar als schwächstes Glied in der Kabinettsriege ausgemacht. Als "Starjuristin" titulierte sie FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki in der jüngsten Landtagssitzung, weil sie nicht bemerkt hatte, dass der Titel der zweiten stellvertretenden Ministerpräsidentin, den sie laut Koalitionsvertrag führen sollte, in der Verfassung nicht vorgesehen ist. Solche Angriffe tut Spoorendonk als "Geplänkel" ab. Denn auch wenn der ausgebildeten Lehrerin manchmal Fachwissen fehlt, gilt sie als beharrlich und zielstrebig.

Geschickt holte sie mit Eberhard Schmidt-Elsaeßer einen promovierten Juristen und Verwaltungsfachmann als Staatssekretär in ihr Haus zurück. Der soll ihr den Rücken bei Richtern und Staatsanwälten frei halten, wenn die neue Stellen fordern. Ansonsten ließ sie wie ihre meisten neuen Kolleginnen auch den Apparat weitgehend unangetastet - ungewöhnlich nach einem Regierungswechel.

Waltraud Wende (parteilos), Bildung, Wissenschaft
Einen eigenen Staatssekretär hat sich aber auch Waltraud Wende mitgebracht. Dirk Loßack war bis vor kurzem noch Schulleiter in Flensburg, jetzt soll er gemeinsam mit Wende den Schulfrieden sichern. Dass er genau wie die Ex-Präsidentin der Uni Flensburg über keine große politische Erfahrung verfügt, stört die 54-Jährige nicht. Sie leidet nicht an mangelndem Selbstbewusstsein. "Ich war schon immer irgendwie Politikerin." Wende gilt als unkoventionell und konfliktbereit. Und sie ist eine Quereinsteigerin. Die haben es traditionell nicht leicht in der Politik. Oft genug verirrten sich Hochschulprofessoren als Berufspolitiker im politischen Dschungel eines Ministerims und warfen schnell das Handtuch.

Kristin Alheit (SPD), Soziales, Gesundheit, Familie, Gleichstellung
Politische Erfahrung in Schleswig-Holstein bringt die Ex-Bürgermeisterin von Pinneberg mit. Seit einigen Wochen führt Kristin Alheit das Sozialministerium. "Ich nehme die Herausforderung an, auch wenn ich noch nicht alle Abläufe dieses Hauses kennen kann", sagt die agile 44-Jährige. Sie weiß, dass es mitunter darauf ankommt, Härte zu zeigen. So signalisiert sie schon jetzt, dass sie nicht gewillt ist, die Wiederanhebung des Landesblindengeldes und die Aufstockung der Mittel für die Frauenhäuser allein aus ihrem ohnehin knappen Etat zu bestreiten. "Es wird darauf ankommen, dass bei der Haushaltsaufstellung alle mitziehen", sagt sie - und kündigt schon mal an, mit der Finanzministerin über neue Mittel zu verhandeln.

Monika Heinold (Grüne), Finanzen
Die heißt Monika Heinold und hat den härtesten Job im neuen Kabinett. Die Grüne, die gelernte Erzieherin ist, gilt als finanzpolitisch versiert, saß lange Jahre im Haushaltsausschuss. Sie ist für Torsten Albig der Garant, dass Schleswig-Holstein bis 2020 einen ausgeglichenen Haushalt präsentiert. Eine Herkulesaufgabe, die Heinold als erste grüne Finanzministerin in einem Flächenland hat. "Alles, was den Haushalt strukturell mehr belastet, muss an anderer Stelle in gleicher Größenordnung erwirtschaftet werden", sagt die 53-Jährige.

Ob das auch ihre Kabinettskolleginnen so sehen, bleibt abzuwarten. Gestalten wollen sie jedenfalls alle in ihren Ministerien - und dafür brauchen sie Geld, das Heinold nicht hat. Die Verhandlungen über den Haushalt fürs kommende Jahr werden also hart werden, was nicht gerade für einen Wandel des politischen Stils spricht. Schon dem letzten Kabinett von Heide Simonis (SPD) gehörten überdurchschnittlich viele Frauen an - die von Männern dominierte Politikwelt konnten sie jedoch nicht entscheidend ändern.

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