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Scheidender Ministerpräsident : Torsten Albigs dänische Rückkehr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum der scheidende Ministerpräsident beim Jahrestreffen der Minderheit erstmals wieder in der breiten Öffentlichkeit spricht.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2017 | 07:33 Uhr

Flensburg | Der erste Satz, den Torsten Albig nach 26 Tagen öffentlichem Schweigen spricht, geht ihm auf dänisch über die Lippen: Sich langsam durch die für ihn fremde Sprache tastend, erklärt er, es sei ihm „einfach persönlich wichtig, bei diesem Festtag dabei zu sein“. Eigentlich hat der scheidende Ministerpräsident für seine Rest-Amtszeit alle größeren Auftritte abgesagt, sogar die Eröffnung der Kieler Woche. Doch das Jahrestreffen der dänischen Minderheit in Flensburg nutzt er dann doch für eine Rückkehr auf die große Bühne.

Fast wäre auch der flach gefallen – am Freitag hat sich der scheidende Regierungschef den Meniskus gerissen. Doch mit Krücke und in dunkelroten Turnschuhen geht es. Das Outfit mit buntkariertem Hemd und dunkelblauer Chino-Hose ist sommerlich-locker und dokumentiert, dass für ihn eine freiere Zeit angebrochen ist. An seiner Seite: Lebensgefährtin Bärbel Boy. Fast zwei Stunden verfolgen die beiden auf einem von 7000 Besuchern bevölkerten Sportplatz Tanz- und Turndarbietungen von Schulklassen, bis der Programmteil mit den Reden dran ist. Zum Zeitvertreib wippt Albig mit seiner Krücke teils im Takt der Musik mit. Dem langen Warten will er etwas Positives abgewinnen: „In deutschen Veranstaltungen ginge das wahrscheinlich nicht – da kämen erst 37 Reden, und erst dann wären die jungen Leute dran.“

Umringt von Mitgliedern des dänischen Bevölkerungsteils, attestiert der SPD-Politiker seiner Küsten-Koalition nun wieder auf Deutsch, sie habe „das Verhältnis von Minderheit und Mehrheit auf eine ganz neue Ebene gestellt“. Gleichberechtigung der dänischen Schul-Finanzierung in der Landesverfassung und einen Handlungsplan zur Sprachenpolitik nannte er ebenso als Beispiele wie die Tatsache, dass mit Kulturministerin Anke Spoorendonk ein Mitglied der Minderheit „Politik auf Augenhöhe mit anderen gemacht hat“. Einige hätten anfangs geglaubt, das Bündnis mit dem Begriff „Dänen-Ampel“ abwerten zu können. Albigs eigene Bilanz in einem Satz: „Ich fand diese Dänen-Ampel echt geil.“

Überraschend versöhnlich inmitten der sommerlichen Leichtigkeit auf dem Platz aber auch das Urteil über die Erben: „Die werden das schon ganz gut machen“, sagt er über die Planer eines Jamaika-Bündnisses. „Dunkle Wolken“ verortet er ganz wo anders in der stürmischen politischen Welt: bei den „nationalen Egoisten, die wiederkommen“ und „bei denen, die sagen ,me first’“. An der Stelle redet sich Albig in Rage, und man merkt , dass er die wiedergefundene große Bühne genießt. Mit einem Anklang von Vermächtnis meint der einst mächtigste Mann des Landes: „Gute Minderheitenpolitik ist ein Schutz vor denen, die sagen, dass es gute und schlechte Menschen gibt.“ Spricht’s und hinterlässt als Schlusswort am Danebrog-geschmückten Rednerpult: „Ich bin stolz, euer MP gewesen zu sein.“

Interview: „Einfach noch eine gute Übergabe machen“

Herr Albig, seit der  Wahlniederlage haben Sie keinen größeren  öffentlichen Auftritt gehabt. Warum kehren Sie gerade beim Jahrestreffen der dänischen Minderheit auf die Bühne zurück?

Weil es mir Gelegenheit gibt, die Regierungszeit, die mit Beteiligung einer nationalen Minderheit ein einmaliges Projekt in Europa war,  für mich zu einem Abschluss zu bringen und vielen daran Beteiligten Danke zu sagen.

Wie fühlt  es sich an, nach der Karenzzeit von rund einem Monat wieder einmal vor einer einmal vor einer großen Volksmenge zu stehen?

Schön. Die Menschen die hier sind, haben die Politik der letzten fünf Jahre wahrgenommen als das, was sie effektiv war: ein Fortschritt für Schleswig-Holstein, eine Bereicherung für unser Land und eine Verkörperung des europäischen Gedankens. Wenn ich dafür Zuspruch bekomme, tut das gut. 

Kommt da nicht erst  recht  der Gedanke auf, wie sehr Sie das künftig vermissen werden? 

Sicher werde ich das vermissen, aber jetzt geht der Blick nach vorn. Es wird neue Aufgaben geben, und auch die werden spannend sein.

Gibt es etwas an der dänischen Minderheit, von dem Sie meinen, dass die deutsche Mehrheitsbevölkerung sich davon eine Scheibe abschneiden könnte?

Das könnte sie von der großen Gelassenheit der dänischen Minderheit, von der Art, Dinge entspannter anzugehen und nicht zu verbissen zu sein, wir wir das in Deutschland mitunter tun. Und ein Stückchen mehr Lebensfreude. Auch in Regierungszeiten. Denn das alles habe ich auch beim SSW gemerkt.

Sie wurden nach der Wahl reichlich kritisiert. Erhalten Sie  zugleich in persönlichen Kontakten so viel Zuspruch wie Sie es sich erhofft haben?

Von denen, die mir wichtig sind, ja.

Gibt es etwas, das Sie sich für die  verbleibenden Wochen im Amt voraussichtlich bis gegen Ende des Monats auf jeden Fall noch vorgenommen haben?

Nein, nur einfach eine gute, geordnete Amtsübergabe zu machen. Ich habe mit Daniel Günther auch schon die ersten Gespräche geführt.

Haben Sie noch einen weiteren öffentlichen Auftritt geplant?

Nicht in der Bedeutung wie hier beim dänischen Jahrestreffen.

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