SPD : Torsten Albig will Ministerpräsident werden

Torsten Albig will sich in der SPD als Kandidat für die Wahl des Ministerpräsidenten aufstellen lassen. Foto: dpa
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Torsten Albig will sich in der SPD als Kandidat für die Wahl des Ministerpräsidenten aufstellen lassen. Foto: dpa

Überraschungscoup in Kiel: Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) will als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten zur vorgezogenen Landtagswahl antreten.

shz.de von
06. September 2010, 09:05 Uhr

Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) hat Freitagabend überraschend seinen Hut als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten zur vorgezogenen Landtagswahl in den Ring geworfen. In einer Sitzung des Kieler SPD-Kreisverbandes kündigte der 49-Jährige an, gegen SPD-Landes- und Fraktionschef Ralf Stegner (50) zu kandidieren, der bisher als aussichtsreichster aber umstrittener Aspirant auf die Spitzenkandidatur für das Amt des Regierungschefs in seiner Partei galt. Stegner reagierte überrascht und sagte, es habe keine Absprache gegeben.
Albig ist seit dem Sommer 2009 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt. Schon im ersten Wahlgang hatte er die absolute Mehrheit und damit den Sieg über die damalige Amtsinhaberin Angelika Volquartz (CDU) erreicht. Zuvor war er Pressesprecher des damaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück (SPD). 2003 hatte Albig, nach einer kurzen Zeit bei der Dresdner Bank in Frankfurt, das Amt des Stadtkämmerers in Kiel übernommen. Er investierte seinen Jahresurlaub in den Wahlkampf und wechselte nach seinem Sieg erst am Tag seiner Amtseinführung von Berlin ins Kieler Rathaus.
Albig gilt als beliebter Oberbürgermeister. Laut einer Forsa-Umfrage für die "Lübecker Nachrichten" würden ihn die Schleswig-Holsteiner lieber als Ministerpräsidenten sehen als Stegner: Zwölf Prozent der Befragten sprachen sich für Albig aus, elf Prozent für den SPD-Chef. Vor allem die Anhänger der Grünen sehen Albig mit einem Riesenabstand vor Stegner als idealen Ministerpräsidenten.
"Den Stärksten nominieren"
Ausschlaggebend seien diese Umfragewerte nicht gewesen, sagte Albig dem sh:z. "Wichtig ist, dass die Partei zwischen Alternativen wählen kann, um den Stärksten zu nominieren." Er rechne sich gute Chancen aus.
Stegner, dem parteiintern sein harsches öffentliches Auftreten angelastet wird ("Roter Rambo"), will erst auf dem Landesparteitag am kommenden Sonnabend in Kiel Stellung beziehen, ob er nach 2009 erneut als Spitzenkandidat bereit steht. Womöglich fällt allerdings schon heute eine Vorentscheidung auf einer kurzfristig anberaumten Sitzung des SPD-Landesvorstandes. Das Landesverfassungsgericht hatte am Montag Neuwahlen bis spätestens im Herbst 2012 angeordnet.
"Stadt statt Staat"
Für Aufsehen hatte Albig Anfang des Jahres gesorgt, als er gemeinsam mit dem Kieler SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels und dem SPD-Landtagsabgeordneten Rolf Fischer ein Papier unter dem Titel "Stadt statt Staat" verfasste, in dem er eine Ausrichtung der Finanzpolitik an den Bedürfnissen der Kommunen fordert. Albig ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Grünen-Frakionschef Robert Habeck - potenzieller Koalitionspartner der SPD nach den Neuwahlen - begrüßt die Kandidatur Albigs: "Mit Kampfkandidaturen haben die Grünen gute Erfahrungen gemacht. Sie sind immer ein Klärungsprozess und führen dazu, dass eine Partei geschlossen und gestärkt in den Wahlkampf zieht."

Umfrage: Albig ist Favorit
"Welcher SPD-Kandidat hätte Ihrer Meinung nach beim Wähler die bessere Aussicht auf den Posten des Ministerpräsidenten?" haben wir gefragt. 1181 Leser haben geantwortet. Das Ergebnis ist sehr klar: 973 (82,4 Prozent) votierten für Albig, nur 208 (17,6 Prozent) entschieden für Stegner. (Stand: 4. September, 20 Uhr)

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