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Landtagswahl in SH 2017 : Torsten Albig gegen Daniel Günther: Kein klarer Sieger in der Wahlarena

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Daniel Günther (CDU) punktet gegen Torsten Albig (SPD) – doch für den dürfte am wichtigsten sein, keinen großen Fehler gemacht zu haben.

Lübeck | Am Ende sind sie dann wieder versöhnlich und nicken sich kurz zu. Aber es bleibt ein schmallippiges Lächeln auf beiden Gesichtern. Zuvor haben Torsten Albig und Daniel Günther diskutiert und gestritten, sie haben zuweilen polemisiert – ohne, dass es am Dienstagabend einen klaren Sieger beim einzigen TV-Duell der Spitzenkandidaten von CDU und SPD für die Landtagswahl am 7. Mai gibt.

Eine Stunde zuvor hat der Showdown in der Lübecker Kulturwerft Gollan begonnen: Nachdem sich zuvor die Spitzenkandidaten der kleineren Parteien einen Schlagabtausch geliefert haben, tritt um 21 Uhr CDU-Frontmann Günther gegen Ministerpräsident Albig an. Moderiert von NDR-Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz stellen sich die Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten in einer Wahlarena eineinhalb Wochen vor der Entscheidung den Fragen von 140 Gästen.

Albig hat dabei einen Vorteil: Er kennt die Situation. Zwar war er 2012 kein Amtsinhaber, aber die Voraussetzungen beim TV-Duell mit CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager waren ähnlich: Albig ist beim Wahlvolk bekannter und beliebter als sein Kontrahent, die SPD liegt in den Umfragen knapp vor der Union, die Mehrheit ist für eine Regierung unter rot-grüner Beteiligung. Für Albig kommt es damals wie heute darauf an, seinen Vorsprung nicht zu verspielen. 2012 gab es keinen klaren Sieger in dem TV-Duell, das damals 150.000 Menschen verfolgt haben und zu dem nicht parallel ein DFB-Pokal-Spiel lief – am Ende wurde Albig Ministerpräsident.

 

Doch de Jager ist längst vergessen – und Daniel Günther ist ein anderer Politikertyp. Er wirkt vitaler, spricht akzentuiert, in der Sache sicher. Er ist ernst, aber seine Körpersprache ist nicht aggressiv, Gesten setzt er sparsam ein. Albig hingegen hat die Hände oft vor dem Körper, in der typischen Albig-Raute, die er sich in den vergangenen Jahren angewöhnt hat.

Daniel Günther braucht dieses Duell nötiger als Albig, will er die Landtagswahl gewinnen. Dabei hat es der 43-Jährige nicht leicht gegen seinen zehn Jahre älteren Kontrahenten: Als Herausforderer darf er nicht zu aggressiv auftreten, aber er muss den Amtsinhaber dennoch stellen, wenn der ausweichen will. Und wenn Torsten Albig eines kann, dann ist es ausweichen.

Angriffe, die Günther immer wieder versucht, pariert er – mal geschickt, mal weniger geschickt – aber immer lächelnd. Wenn Günther das Inklusionskonzept an den Schulen kritisiert, antwortet Albig staatsmännisch: „Inklusion ist ein Menschenrecht.“ Und der Ministerpräsident freut sich, wenn ein Mann aus dem Publikum Günther auffordert, keine neue Strukturdebatte um G8 oder G9 an den Schulen zu führen.

Wie in der gesamten Legislatur perlt Kritik am Ministerpräsidenten weitgehend ab. Albig macht an diesem Abend keine großen Fehler. Er gewinnt nicht, aber noch viel wichtiger dürfte sein, dass er nicht verliert. Das Format mit vielen Frage hilft Albig, so wird es kein klassisches Duell.

Wenn ein Zuschauer kritisiert, dass der Bau der A20 nicht vorankommt, sagt Günther: „Der Straßenbau ist schlecht geplant.“ Albig lächelt und ergänzt mit Blick auf die Ankündigung seines Herausforderers, die A20 in der nächsten Legislatur fertig zu bauen: „Er macht die Schilder, ich mache die Straßen.“

Niemand weiß, wie viele Wählerstimmen ein TV-Duell einem Kandidaten bringen kann. In den Umfragen holt die CDU auf, Günther nutzt die Chance, dass ihn mehr Wähler kennen lernen. Laut jüngster Umfrage wollten 55 Prozent bei einer Direktwahl für Albig stimmen, für Günther nur 26. Und 31 Prozent der Befragten kannten den 43-Jährigen gar nicht. Doch beide Kontrahenten wissen, dass sich in den letzten Tagen vor der Wahl alles noch ändern kann. So haben sich über 20 Prozent noch nicht entschieden, wen der beiden sie lieber als Ministerpräsidenten wollen.

Eben diese Unentschiedenen muss Günther überzeugen, will er Albig ablösen. Jost de Jager ist es vor fünf Jahren zwar gelungen, am Ende die Union zur stärksten Partei zu machen. Die Regierung hat er dennoch nicht übernehmen können. Ob Daniel Günther erfolgreicher sein wird – er hat nach dem TV-Duell zumindest keine schlechteren Chancen.

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erstellt am 25.Apr.2017 | 23:10 Uhr

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