Jensen, Habeck, Wadephul : Top-Posten im Bund: Diese Politiker aus Schleswig-Holstein haben Berlin erobert

Robert Habeck.
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Robert Habeck.

Immer mehr Nord-Politiker ergattern Spitzenjobs in der Bundespolitik – nur ein Ministeramt fehlt noch.

Unser Hauptstadtkorrespondent Hening Baethge von
02. Februar 2018, 11:40 Uhr

Gyde Jensen (FDP)

Sie kämpfen besonders für Humanität und Flüchtlinge. Sie hatten noch nie jemanden aus Schleswig-Holstein an ihrer Spitze. Und noch nie jemand so jungen. Doch beides ist seit dieser Woche anders: Die Mitglieder des Menschenrechtsausschusses im Bundestag haben die 28-jährige Kieler FDP-Abgeordnete Gyde Jensen zur Vorsitzenden ihres Gremiums gemacht. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Jensen.

Gyde  Jensen
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Gyde Jensen ist Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses.

Zwar zählt der Chefsessel im kleinen Ausschuss für Menschenrechte nicht zu den wichtigsten Führungsjobs in Berlin. Doch dass die Kieler Newcomerin Jensen ihn erhalten hat, steht beispielhaft für einen neuen Trend: Politikerinnen und Politiker aus Schleswig-Holstein ergattern zunehmend Spitzenposten in der Hauptstadt. Bekleideten vor fünf Jahren nur zwölf Männer oder Frauen aus dem Norden ein hohes Amt in Partei, Fraktion oder Regierung, sind es nun fast doppelt so viele. 

Schleswig-Holsteiner mit Partei-Ämtern in Berlin
Name Partei Posten
Robert Habeck Grüne Vorsitzender
Ralf Stegner SPD Stellvertretender Vorsitzender
Wolfgang Kubicki FPD Stellvertretender Vorsitzender
Philipp Murmann CDU Schatzmeister und Präsidiumsmitglied
Daniel Günther CDU Beratendes Präsidiumsmitglied
Johann Wadephul CDU Vorstandsmitglied
Serpil Midyatli SPD Vorstandsmitglied
Heiner Garg FDP Vorstandsmitglied
Mit Posten in der Bundestagsfraktion
Name Partei Posten
Johann Wadephul CDU Stellvertretender Vorsitzender
Cornelia Möhring Linke Stellvertretende Vorsitzende
Konstantin von Notz Grüne Stellvertretender Vorsitzender
Gero Storjohann CDU Sprecher Arbeitsgruppe Petitionen
Gabriele Hiller-Ohm SPD Sprecherin Arbeitsgruppe Tourismus
Sönke Rix SPD Sprecher Arbeitsgruppe Familien
Norbert Brackmann CDU Stellvertretender Chefhaushälter
Bettina Hagedorn SPD Stellvertretende Chefhaushälterin
Mit Posten im Bundestag
Wolfgang Kubicki FDP Vizepräsident
Ernst Dieter Rossmann SPD Vorsitzender Bildungsausschuss
Gyde Jensen FDP Vorsitzende Menschenrechtsausschuss
Hans-Peter Bartels SPD Wehrbeauftragter
Mit Posten in der Bundesregierung (Noch bis zum Antritt einer neuen Regierung)
Ole Schröder CDU Parl. Staatssekretär Innenministerium

Robert Habeck (Die Grünen)

Robert Habeck
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Robert Habeck ist Bundesvorsitzender der Grünen.

Besonders erfolgreich waren die Politiker aus dem Land in dieser Woche. Allen voran Umweltminister Robert Habeck hat mit seinem Amtsantritt als Bundeschef der Grünen enorm an Macht gewonnen. Gut möglich, dass der 48-Jährige derjenige Schleswig-Holsteiner wird, der am längsten eine Bundespartei führt. Dafür muss der Flensburger nicht mal lange durchhalten: Bisher haben es der Lübecker Björn Engholm in der SPD und die Neumünsteranerin Angelika Beer bei den Grünen nur auf je zwei Jahre Vorsitz gebracht. Gut möglich aber auch, dass Habeck bald erster Bundesminister aus dem Norden seit 20 Jahren wird – damals verlor mit Kanzler Helmut Kohl auch der FDP-Justizminister Edzard Schmidt-Jortzig aus Kiel sein Amt. Gäbe es bald Neuwahlen, wäre Habeck geborener Spitzenkandidat der Grünen und Aspirant auf einen Kabinettsposten in vielen denkbaren Koalitionen.

Johann Wadephul (CDU)

Johann Wadephul
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Johann Wadephul ist Vizechef der Union für Außenpolitik und Verteidigung.

Nicht zu unterschätzen ist auch das Amt, das der CDU-Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul seit Dienstag innehat: Die Unionsfraktion hat den 54-Jährigen aus Molfsee bei Kiel zu ihrem stellvertretenden Vorsitzenden für Außenpolitik und Verteidigung gemacht. Die Vizechefs in der Union haben großen Einfluss; zudem kann der Posten ein Sprungbrett sein: Der spätere Verteidigungsminister Volker Rühe etwa war auch sieben Jahre lang Fraktionsvize mit denselben Aufgaben wie Wadephul.

Ernst Dieter Rossmann (SPD)

Ernst  Dieter Rossmann
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Ernst Dieter Rossmann

Aufgestiegen ist auch der Elmshorner Ernst Dieter Rossmann. Der 66-jährige Abgeordnete leitet seit dieser Woche den Bildung- und Forschungsausschuss im Bundestag. Der Ausschuss würde besonders wichtig, falls die nächste Regierung tatsächlich – wie von fast allen Parteien gefordert – dem Bund mehr Kompetenzen in der Schulpolitik geben will.

Zu den Aufsteigern der Woche gesellen sich auf den Spitzenposten für den Norden die wiedergewählten Fraktionsvizes Konstantin von Notz bei den Grünen und Cornelia Möhring bei den Linken sowie der jüngst bestätigte SPD-Parteivize Ralf Stegner. Nicht zu vergessen Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki. Nur ein Kieler Politpromi begnügt sich mit einem eher unauffälligen Bundesjob: Schleswig-Holsteins Regierungschef und CDU-Hoffnungsträger Daniel Günther reicht der Sitz im Parteipräsidium, den er qua Amt hat. „Mich reizt ein Posten in Berlin derzeit überhaupt nicht“, sagt Günther. „Ich bleibe Ministerpräsident in Schleswig-Holstein.“

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