Facebook statt Notruf? : Tödlicher Unfall in Lauenburg: Polizei ermittelt wegen eines Facebook-Posts

Der junge Fahranfänger konnte von der Feuerwehr nicht mehr rechtzeitig befreit werden.

Der junge Fahranfänger konnte von der Feuerwehr nicht mehr rechtzeitig befreit werden.

Der Unfall wurde bei Facebook verbreitet. Wie der Absetzer des Posts Kenntnis von dem Unfall erlangt hat, ist unklar.

shz.de von
09. August 2018, 10:40 Uhr

Lauenburg | Tragischer Unfall auf der Landesstraße 200 zwischen Lauenburg und Basedow im Kreis Herzogtum Lauenburg: Ein Auto ging in Flammen auf, der 18-jähriger Fahrer aus der Region Büchen kam dabei ums Leben. Im Zusammenhang mit dem Unfall sorgt derweil ein Facebook-Beitrag für Wirbel.

Wie die Polizei in Ratzeburg und die Staatsanwaltschaft Lübeck am Donnerstag mitteilten, war der 18-Jährige am Mittwochnachmittag mit seinem VW Polo aus bislang ungeklärter Ursache und „auf gerader Strecke“ nach links in den Gegenverkehr geraten. Dort stieß er mit einem VW Tiguan zusammen, einem Fahrschulwagen. Der 17-jährige Fahrschüler, begleitet von seinem 79-jährigen Fahrlehrer habe noch versucht, auf den Grünstreifen auszuweichen, konnte den Zusammenstoß jedoch nicht mehr verhindern. Eine 25-Jährige Autofahrerin dahinter konnte ebenfalls nicht mehr ausweichen und fuhr mit ihrem Ford Fiesta auf den VW Tiguan auf.

Im Motorraum des VW Polo war derweil Feuer ausgebrochen. Dramatisch: Der 18-jährige Fahrer war im Fahrzeug eingeklemmt. Wegen des Feuers „waren die Ersthelfer nicht mehr in der Lage, der Fahrer aus dem Fahrzeug zu befreien“, teilten Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg, und Dr. Ulla Hingst, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck, in einer gemeinsamen Erklärung mit. Der VW Polo brannte komplett aus, der Fahrer verstarb an der Unfallstelle.

Polizei: Von einem Feuer war zunächst nicht die Rede

Für Irritation sorgte unterdessen ein Facebook-Post über diesen Unfall, der kurz nach dem Zusammenstoß abgesetzt worden ist. Angeblich soll dieser Beitrag noch vor dem Notruf erfolgt und schuld für ein verzögertes Eintreffen der Retter sein. (Anm. d. Red.: So stand es auch in einer ersten Version auf shz.de) „Das stimmt nicht“, erklärte am Donnerstag Polizeisprecher Holger Meier auf Nachfrage. „Der erste Notruf war am Mittwoch um 17.12 Uhr eingegangen, sechs Minuten später, um 17.18 Uhr, war dann ein Rettungswagen an der Unfallstelle.“ Nicht immer sei automatisch die Feuerwehr am Unfallort, so Meier weiter. Und von Feuer sei zunächst nicht die Rede gewesen. So sei in diesem Falle die Feuerwehr wegen des brennenden Autos im Nachhinein alarmiert worden. Die Löschkräfte seien dann wenig später an der Unfallstelle gewesen.

Diese Landkarte mit der markierten Unfallstelle wurde um 17.13 Uhr bei Facebook gepostet. Erst zehn Minuten später wurde die Feuerwehr alarmiert.
Timo Jann
Diese Landkarte mit der markierten Unfallstelle wurde um 17.13 Uhr bei Facebook gepostet. Erst zehn Minuten später wurde die Feuerwehr alarmiert.

Fakt ist aber auch: Es gab diesen Facebook-Beitrag mit der Information „Unfall“. „Und der ist um 17.13 Uhr abgesetzt worden, also kurz nach dem ersten Notruf“, sagte Meier. Dabei handele es sich im Übrigen um eine andere Person als jene, die den Notruf gewählt hatte. Gleichwohl werde jetzt gegen den Verfasser des Facebook-Posts, der namentlich bekannt sei, ermittelt. Und zwar wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung – „in Bezug auf den Unfall, nicht wegen des Feuers“, wie Meier betonte. Der gesamte Sachverhalt indes sei bislang keineswegs gesichert, sagte der Sprecher. So sei nicht geklärt, wie der Absetzer des Facebook-Beitrags überhaupt Kenntnis von dem Unfall erlangt hat. Klar sei bislang nur: Hätte er zuerst den Notruf gewählt, wären die Retter nicht schneller gewesen. Denn die waren ja bereits alarmiert.

Blaulichtmonitor

Was ist der Blaulichtmonitor?

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert