zur Navigation springen

Schüsse in Rendsburg : Tod im Finanzamt: Prozess beginnt am 11. März

vom

Die Tat löste Bestürzung aus: In Rendsburg wird ein 57-jähriger Finanzbeamter in seinem Büro erschossen. Mord oder Totschlag? In der kommenden Woche beginnt der Prozess vor dem Landgericht Kiel.

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2015 | 07:12 Uhr

Kiel/Rendsburg | Rund ein halbes Jahr nach den tödlichen Schüssen auf einen Abteilungsleiter des Rendsburger Finanzamtes muss sich ein 55-jähriger Steuerberater vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Der Prozess beginnt am 11. März. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Fockbeker Bürgermeister-Kandidaten und Mitglied der Gemeindevertretung heimtückischen Mord vor. Laut Anklage erschoss der 55-Jährige den Beamten am 1. September 2014 in dessen Büro.

Vor den Schüssen soll es einen lautstarken Streit gegeben haben. Dabei soll der Angeklagte unvermittelt eine Pistole gezogen und abgedrückt haben. Das Opfer erlag seinen schweren Verletzungen wenig später im Krankenhaus. Das Verbrechen hatte in der Region tiefe Betroffenheit ausgelöst und auch bundesweit Aufsehen erregt.

Der Angeklagte wurde kurz nach den Schüssen im Büro festgenommen. Die Waffe soll er noch in der Hand gehalten haben. Mitarbeiter des Finanzamtes hatten die Polizei alarmiert. Angeblich führte der Steuerberater seit längerem einen Streit mit der Behörde. Der Mann ist Jäger und hat einen Waffenschein. Er soll auch mehrere Gewehre besitzen. Er ist wegen eines Rückenleidens zeitweise auf einen Rollstuhl angewiesen und sitzt seit dem 2. September 2014 in der Justizvollzugsanstalt in Lübeck.

Das Schwurgericht unter dem Vorsitzenden Richter Jörg Brommann hat für den Prozess fünf Verhandlungstage angesetzt. Für die Beweisaufnahme sind 16 Zeugen geladen. Zudem soll ein psychiatrischer Gutachter zur Persönlichkeit des Angeklagten und zur Frage seiner Schuldfähigkeit Stellung nehmen. Zur Todesursache wird sich ein Rechtsmediziner äußern.

Die Witwe des getöteten Beamten ist in dem Verfahren Nebenklägerin.  Nach Angaben seines Verteidigers Frank-Eckhard Brand wird sich der 55-Jährige vor Gericht zu Tat und Tatablauf äußern. Dabei dürfte die psychische Verfassung des Angeklagten zur Tatzeit eine entscheidende Rolle bei der Frage spielen, ob die Tat als Mord oder als Totschlag gewertet werden wird. Danach richtet sich die Strafzumessung.

Ein Mörder wird laut Gesetz mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe bestraft. Eine Entlassung auf Bewährung wäre frühestens nach 15 Jahren möglich. Für Totschlag ist dagegen eine Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren vorgesehen.

Der Angeklagte zog für die FDP in die Fockbeker Gemeindevertretung ein. Er kandidierte 2013 für das Amt des Bürgermeistes. Seine FDP-Mitgliedschaft gab er nach Angaben der Kreisvorsitzenden inzwischen auf. Sein politisches Mandat in der Gemeindevertretung besitzt er aber noch immer. Wenn er es nicht selbst niederlegt, könnte es ihm die Kommunalaufsicht nach dem Gemeinde- und Kreiswahlgesetz erst bei einer rechtskräftigen Verurteilung aberkennen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen