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Schleswig-Holstein

12. Dezember 2017 | 19:10 Uhr

Wetter in SH : Temperaturen so hoch wie nie

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1614 Stunden Sonne gab es von Januar bis Oktober. Es war ein Rekordsommer, das steht für die Wetterexperten fest. Es könnte sogar ein Rekordjahr werden. Und es dürften weitere folgen.

Ein milder Winter, ein sonniger Frühling und viele warme Tage bis in den Herbst hinein – das Wetter in Schleswig-Holstein war in diesem Jahr so warm, so sonnig wie noch nie. In neun von zehn Monaten war es – verglichen mit dem Mittel von 1961 bis 1990, das als Vergleichswert herangezogen wird – zu warm. Laut Institut für Wetter- und Klimakommunikation war der Februar mit durchschnittlich 4,9 Grad sogar 4,2 Grad zu warm. Der Juli war mit durchschnittlich 19,9 Grad der wärmste Monat des Jahres. 3,6 Grad wärmer als der Vergleichswert.

Wärmster Tag des Jahres in Schleswig-Holstein war der 19. Juli. Der Spitzenwert von 31,7 Grad wurde in Quickborn gemessen und in St. Peter-Ording stieg das Thermometer immerhin auf 31,4 Grad. Rekordwetter gab es im Juli aber vor allem in List auf Sylt: Vom 18. bis 26.Juli gab es dort neun Sommertage in Folge mit mindestens 25 Grad. So viele gab es dort seit in Betriebnahme der Station im Jahr 1937 nicht. Bisheriger Rekord waren 1994 acht Sommertage am Stück.

Ein Monat verweigerte sich in diesem Jahr allerdings der Schön-Wetter-Bilanz: der August. Es war der nasseste Monat des Jahres. Normal wären 73 Liter pro Quadratmeter Regen gewesen, tatsächlich waren es 116 Liter. Helgoland traf es dabei besonders schlimm. Dort fielen im August 200 Liter Regen pro Quadratmeter – die dreifache Menge des Üblichen. Trotzdem lag die Durchschnittstemperatur im August auf normalem Niveau – womit er im Jahresvergleich schon wieder aus der Rolle fällt. Es ist der einzige Monat, der mit 16,2 Grad im Monatsmittel bisher im Durchschnitt des Vergleichswertes lag.

„Gehen wird davon aus, dass der November und Dezember den Durchschnittswert erreichen, dann bedeutet das einen neuen Jahresrekord für Schleswig-Holstein“, erklärt Thore Hansen vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. Der alte Temperaturrekord stammt mit 10 Grad im Jahresmittel aus 2007. Mittelmäßigkeit im November und Dezember würde schon für einen neuen Wetterrekord von durchschnittlich 10,2 Grad in Schleswig-Holstein reichen. Und da der November mit Rekordwerten gestartet ist, ist es relativ unwahrscheinlich, dass er die Wetterbilanz noch verhagelt. Der normale Wert für den November liegt bei 5 Grad, für den Dezember bei 1,8 Grad.

Doch das Wetter war dieses Jahr auch launisch, in vier Monaten des Jahres hat es zu viel geregnet: Im Februar, April, Mai und August sind 97 Prozent der normalen Niederschlagsmenge gefallen. Dass deshalb das Jahr nicht als verregnet gilt, verdanken wir März, Juni, Juli und Oktober, die wiederum zu trocken waren. Der März war der trockenste Monat, mit 25 Litern pro Quadratmeter fielen nur 47 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. Prozentual gesehen, war es auch der Monat mit den meisten Sonnenstunden. In absoluten Zahlen gemessen, war aber der Juli mit 271 Stunden Sonne Spitzenreiter. Knapp 30 Prozent mehr Sonnenschein als üblich.

Überhaupt haben die Schleswig-Holsteiner viel Sonne abbekommen: 1614 Stunden Sonne gab es von Januar bis Oktober. Etwa 150 mehr als üblich.

Wettertechnisch können sich die Schleswig-Holsteiner über dieses Jahr nicht beklagen. Das meint auch Sebastian Wache, Diplom-Meteorologe von Wetterwelt in Kiel. Er hat einen Blick auf den meteorologischen Sommer vom 1. Juni bis 31. August geworfen. Vor allem der Juli war herausragend. Der Grund: Hochdruckgebiete, die sich über Skandinavien gebildet haben und in Schleswig-Holstein für gute Wetterlagen sorgten. „Normalerweise hält das zwei bis drei Wochen an, dieses Jahr hielten sie mit etwa vier Wochen deutlich länger“, so Wache.

Das Skandinavien-Hoch hat auch für den Ostwind gesorgt. 2014 gab es 54 Tage mit Ostwind zwischen dem 1. April und dem 15. September – mehr als doppelt so viele wie in den Jahren zuvor. Der Wind war gut für das Wetter, aber auch gefährlich für die Badegäste in der Ostsee. Während die Nordsee vor Sylt über Wochen platt wie eine Flunder war, war die Ostsee stark aufgewühlt.

Und nach Ost-West nun auch noch etwas Nord-Süd: Den inoffiziellen Wettstreit mit Süddeutschland gewinnt in diesem Jahr der Norden. Höhere Temperaturen, mehr Sonnenstunden und weniger Regen – der Norden hatte den besseren Sommer. Mit seinem Rekordsommer liegt Schleswig-Holstein im Trend. „Wir schwimmen ganz gut mit auf der globalen Wärmewelle“, sagt Thore Hansen. Die beiden Wetterfrösche sind sich einig, dass es wohl auch in den nächsten Jahren immer ein Tick wärmer werden wird.

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