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Lena Odenthal : „Tatort“-Vorschau auf „Babbeldasch“: Improvisiertes Mord-Theater

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Geschichte ist überdreht, aber die Laiendarsteller sind in Ordnung, findet Autor Andreas Kober.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2017 | 15:26 Uhr

Pfälzer Welsch, Amateur-Gehopse und wackelige Bilder – das sind die An- und Zumutungen, die uns „Tatort“-Debütant Axel Ranisch (Regie) heute um die Ohren haut. Zumindest ästhetisch und akustisch eine Kriegserklärung an heimelige Sehgewohnheiten.

Na schön! Dass die Kripo Ludwigshafen um Lena Odenthal, Mario Kopper und Johanna Stern (Ulrike Folkerts, Andreas Hoppe, Lisa Bitter) jeden Wind brauchen kann, um die meist schlaffen Segel mal wieder zu straffen, ist ja nur zu begrüßen. Aber muss es gleich in Improvisationstheater ohne festes Drehbuch und mit schier unverständlichem Dialekt ausarten?

Warum eigentlich nicht? Denn was wir Sonntag zu sehen bekommen, ist zwar extrem gewöhnungsbedürftig, dafür aber auf unglaublich liebenswerte Art authentisch.

Sterben muss dafür die Impresaria des Mundarttheaters „Babbeldasch“, Sophie Fettèr (Malou Mott). Irgendwer hat dem kleinen Kugelblitz doch tatsächlich einen Croissant mit Mohn-Füllung verpasst, so dass die Ärmste an einem allergischen Schock verröchelt. Ist das das Aus für die Theater-Butze?
 

So scheint es. Denn nun geht das Gezerre um das „Babbeldasch“ zwischen Sophies Angehörigen, den Theaterleutchen und einem fiesen Vermieter munter los. Und Lena, halb undercover, mittenmang. Schlimmer noch: Jede Nacht erscheint ihr Sophie im Traum und fordert von ihr die Aufklärung des Mordes. Sollen wir das alles ernst nehmen?

Wohl kaum. Dafür ist die Geschichte (Buch: Sönke Andresen) dann doch zu überdreht und das skurrile Impro-Theater eben nur die halbe Miete. Denn während die Laiendarsteller mit ihrem derbem Charme überzeugen, geben sich Folkerts & Co. als Möchtegern-Profis. Dabei spielen sie keineswegs besser als die Amateure der (echten) „Hemshofschachtel“, sondern werden nur besser bezahlt. Fremder können sich Kollegen nicht sein.

Das verdirbt die hübsche Idee vom Spiel ohne Vorlage, so dass Ranischs Experiment beinahe scheitert. Aber wann konnten wir uns zuletzt an einer so urigen Laientruppe sattsehen?

„Tatort – Babbeldasch“, 20.15 Uhr, ARD

 






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