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Schwanensee : „Tatort“: Rätsel-Mord in der Klapse

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Münster-Ermittler Axel Prahl und Jan Josef Liefers tauchen ein in die Welt der Neurotiker und Psychotiker, die im Haus Schwanensee, einer Art Luxuspsychiatrie, Unterschlupf gefunden haben.

Klar, heut' gibt's wieder eine volle Dröhnung Kripo-Klamauk – mit den Kommissaren Thiel und Boerne (Axel Prahl, Jan Josef Liefers), mit „Alberich“ und Tausendschönchen Krusenstern (ChrisTine Urspruch, Friedrike Kempter) und, natürlich, mit Staatsanwaltsröhre Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann), die ihre Stimme offenbar beliebig tiefer legen kann und dies heute, mit der obligatorischen Elektrofluppe im Mund, auch gerne tut.

Die Karten sind also neu gemischt, es ist wie bei den Muppets, wir freuen uns auf unsere Lieblinge und auf den Schabernack, den sie wohl wieder treiben werden. Noch dazu in einer psychiatrischen Klinik namens „Schwanensee“, wo sich auf dem Grund des hauseigenen Pools die Leiche von Mona Lux findet. Einer Patientin, die noch nicht lange hier „zu Gast war“, wie Prof. Weimar, der Anstaltsleiter (Hans Jörg Krumpholz), meint, und die eine verdammt verschwommene Biografie hat. Keine Verwandten, keine Bekannten und auch ihr Name war wohl reine Erfindung. War sie überhaupt depressiv?

Unsere Kripo-Truppe steht vor einem Rätsel. Keine Spuren, keine Indizien, kein Motiv. Und so schleicht sich Boerne, der eigentlich schon auf dem Abflug in seinen Tauchurlaub war, als Therapeut unter die autistischen und sichtlich nicht ganz ausgerichteten „Gäste“ (u.a. Robert Gwisdek, Nadja Zwanziger), während Thiel das Leben der Mona Lux auseinandernimmt. Und beide erleben dabei etliche Überraschungen.

Genau wie wir – am Ende eines nicht ganz so klamaukigen „Tatorts“. Denn Christoph Silber, Thorsten Wettke (Buch) und André Erkau (Buch, Regie) wollen mit ihrem Psychiatrie-Trip den Blödelwahn der Münsteraner keineswegs auf die Spitze treiben, sondern den Defekten menschlicher Beziehungen nachspüren. Mit Witz, freilich, aber auch mit einigem Gespür für die kranke Moral einer selbstsüchtigen Gesellschaft.

Klar, das macht Spaß anzuschauen. Doch die Zwischentöne lassen diesmal aufhorchen. Ein schriller und ein stiller „Tatort“ zugleich. So geht’s auch in Münster. Gut so!

> „Tatort – Schwanensee“, 20.15 Uhr, ARD
 

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