zur Navigation springen

„Wehrlos“ mit Harald Krassnitzer : „Tatort“: Polizei-Schweinerei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein bißchen viel Beamten-Gemotze, dafür aber mit viel Wiener Schmäh ist dieser Tatort, findet Frank Kober.

Da muss es für den „feschesten“ BKA-Ermittler der Welt (Harald Krassnitzer) schon etwas Besonderes sein zum Jubiläum. Und siehe – heute geht es für Moritz Eisner und Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) mal nicht gegen arabische Gangs, serbische Freischärler oder rumänische Menschenschlepper. Nein, heute wird mal wieder im eigenen Mist gewühlt.

Sterben muss dafür der Leiter der Wiener Polizeischule, der erschossen in seinem Haus gefunden wird. Eine Etage höher liegt seine Frau – mit gebrochenem Genick. Und sieht zunächst alles nach einem traurigen Beziehungsmord mit anschließendem Suizid des Beamten aus, werfen schon bald etliche Ungereimtheiten Fragen auf.

Zum einen fehlt die Dienstwaffe, aus der gefeuert wurde, zum anderen wurde ausgerechnet in der Mordnacht im Nachbarhaus eingebrochen. Schneller als es Moritz und Bibi lieb ist, führen die Spuren weg vom Ehedrama und mitten hinein in die Wiener Polizeischule, in die brutale Drillpraxis von Ausbilder Thomas Nowak (Simon Hatzl) und sogar ins Rotlichtmilieu.

Und dann geht auch noch der Trick, Bibi undercover in der Schule ermitteln zu lassen, nach hinten los. Denn irgendwann wird erneut eingebrochen, ist Ausbilder Nowak tot und Moritz steht allein mit leeren Händen da. Von wegen – die Polizei, dein Freund und Helfer.

Ein bisschen übertreiben es Uli Brée (Buch) und Regisseur Christopher Schier mit dem Beamtengemotze. Jeder kläfft jeden an. Aber ihr aufgeplustertes Drama um Mobbing und Machtmissbrauch in der Wiener Polizei erinnert uns zumindest daran, wie dünnhäutig und fragil eigentlich unser ach so fesches BKA-Duo ist.

Nicht nur für Krassnitzer und Neuhauser ist dieser „Tatort“ eine Gala voller Temperament und Charakterspiel, sondern auch für die sinistre Komparserie. Denn Regisseur Schier versteht es, den chaotischen Polizeihaufen pointiert in Szene zu setzen. Mit Wiener Schmäh, jähen Wendungen und wohl dosierten Schockeffekten.

Typisch Ösi-Thrill, eben. Schwarz, böse – respektlos. Ein würdiges Jubiläum für Kripo-Dino Krassnitzer.

„Tatort – Wehrlos“, 20.15 Uhr, ARD.

 

zur Startseite

von
erstellt am 23.Apr.2017 | 10:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen