Ermittler aus Köln : „Tatort“: Mord unterm Maschen-Draht-Zaun

Ballauf und Schenk ermitteln in einem tödlichen Nachbarschaftsstreit. „Erstaunlich spannend“, findet unser Autor.

shz.de von
26. März 2017, 14:00 Uhr

Was es heißt, mit dem Nachbarn im Clinch zu liegen, wissen wir ja nicht erst seit Stefan Raab und seinem Blödel-Hit „Maschen-Draht-Zaun“. Wohl jeder lag schon mal irgendwie mit einem Mitbewohner quer, sodass es nur konsequent ist, diese gesamtgesellschaftliche Malaise zuweilen in einem „Tatort“ aufzugreifen.

Nicht nur, um zuzuspitzen, weil so ein Nachbarschaftskrieg ja durchaus tödlich enden kann, sondern um hin und wieder die Temperatur des Zwischenmenschlichen zu messen. Zu fragen: Wie leben wir miteinander? Wo könnte man das besser tun, als an einer Grundstücksgrenze oder zwischen zwei Wohnungstüren? Da, wo die große Weltpolitik nur bedingt aufflackert und die Intima zwischen Bett und Bratkartoffeln so viel Aufschluss über das Deutschsein geben können.

Genau das versuchen heute Abend Christoph Wortberg (Buch) und Torsten C. Fischer (Regie) und schicken unsere Kripo-Lieblinge Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) an die Nachbarschaftsfront einer Kölner Vorstadtsiedlung. In noble Villen und sorgsam gepflegte Gärten. Denn hier musste Werner Holtkamp dran glauben, ein geschiedener Mittvierziger, der zuerst in seinem Bett erschlagen und dann unschön von einer Brücke geworfen wurde.

Da heißt es jetzt Klinkenputzen für Max und Freddy, denn natürlich will keiner von den Nachbarn etwas wissen (u.a. Werner Wölbern, Claudia Eisinger, Stephan Grossmann, Birge Schade). Überall Schweigen, Argwohn, Geheimnisse. Und so erleben wir, wie Stück für Stück die Fassade einer privaten Glückseligkeit bröckelt, die manchem noch immer als heiliges Refugium und letzte Bastion gegen die Wirrnisse dieser Welt gilt.

Erstaunlich, was diese, vergleichsweise banale Geschichte für eine Spannung entwickelt – mit all ihren Schicksalsschlägen und traurigen Exzessen. Und Regisseur Fischer findet diesmal nicht nur den richtigen Ton und die richtigen Bilder, um dieses Seelengemetzel zu ergründen, sondern treibt sein höchst spielfreudiges Ensemble zu immer neuen emotionalen Höhepunkten.

Da bleibt nur zu konstatieren: Absolut sehenswert!

„Tatort – Nachbarn“, 20.15 Uhr, ARD
 

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen