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Sonntagskrimi : „Tatort“: Leipziger Schlachtplatte

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Krimi von Regisseur Stefan Kornatz ist eine Nummer zu groß für das MDR-Team. Ein Jammer, findet unser Autor.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2015 | 15:40 Uhr

Dass Autor und Regisseur Stefan Kornatz ein Faible für komplexe Thriller und kaputte Typen hat, durften wir ja schon im „Tatort“ bewundern (u.a. „Es ist böse“, „Mord auf Langeoog“). Verblüffend, wie er die Brutalität eines Verbrechens mit den Defekten seiner Figuren kontrastiert und uns klammheimlich an die wahren Motive einer Bluttat heranführt. Am Ende steht dann der Schock. Und die Ratlosigkeit gegenüber der elementaren Wucht des Bösen.

Verständlich, dass der MDR einen wie Kornatz beauftragt, das ramponierte Image der Leipziger Möchtegern-Cops Saalfeld und Keppler (Simone Thomalla, Martin Wuttke) mit etwas Suspense aufzupeppen. Und tatsächlich jagt uns heute der Mord an Schrotthändler Harald Kosen (Bernhard Schütz) zunächst einen gehörigen Schrecken ein. Der Mann wurde regelrecht zu Brei geschlagen in seinem Haus. Weshalb Keppler auch von einem Racheakt voller Hass ausgeht.

Anders als Saalfeld, die angesichts eines leergeräumten Tresors an Raubmord glaubt und sich Kosens Ex-Firmenpartner und seinen Schwiegersohn vorknöpft (Uwe Bohm, Alexander Khuon). Aber dieser Fall ist weit komplizierter. Denn mehr und mehr kommen auch Kosens Kinder den Ermittlern in die Quere (Tino Hillebrand, Natalia Rudziewicz). Offenbar hatten alle mit dem Alten eine Rechnung offen.

Da geschieht der nächste blutige Mord. Und plötzlich eskaliert dieser Fall in eine Richtung, die keiner vermutet hat. Ein echter Kornatz eben – und damit, sorry, einfach eine Nummer zu groß für das MDR-Team. Denn während Wuttke immerhin noch die Petitessen dieses bösartigen Mordgeschwürs als Ermittler zu ergründen und als Schauspieler zu bewältigen sucht, gefällt sich Frau Thomalla weiter und ungerührt in ihrer Selbstbespiegelung, in ihrer burschikosen Naivität und in ihren Belehrungen, die keiner hören will.

Was der K.o. für diesen „Tatort“ ist. Nie waren in Leipzig glattgeföhnte Haare, Schmollmund und rührselige Augenaufschläge deplatzierter als an diesem Sonntagabend. Was für ein Jammer!
 

„Tatort – Blutschuld“, 20.15 Uhr, ARD. Danach in der Mediathek abrufbar.

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