ARD-Krimi : „Tatort“ in Dortmund: Vom Chaoshaufen zum Dreamteam

Jörg Hartmann spielt Kriminalkommissar Peter Faber im „Tatort“ aus Dortmund.
Jörg Hartmann spielt Kriminalkommissar Peter Faber im „Tatort“ aus Dortmund.

Die ersten beiden „Tatort“-Fälle aus Dortmund konnten nicht richtig punkten. Im dritten Teil sieht Kritiker Frank Kober eine aufgehende Rechnung.

shz.de von
17. November 2013, 17:00 Uhr

Großes Kino aus Dortmund! Und diesmal nicht aus dem BVB-Stadion, sondern tatsächlich mit der neuen „Tatort“-Truppe. Endlich! Wir erinnern uns: Das Team um den sensibel-cholerischen Kripo-Chef Peter Faber (Jörg Hartmann) hatte ja in den ersten beiden Folgen noch nicht so recht gepunktet. Zu viele psychologische Verrenkungen, zu viel aufgesetzter Beziehungsclinch. Doch heute Abend im dritten Stück geht die Rechnung mit der schrägen Truppe komplett auf. Bild für Bild, Satz für Satz. Anschnallen!

Wohin sonst in Dortmund, als in eine triste Plattenbausiedlung, verschlägt es diesmal Faber und seine drei Kollegen (Anna Schudt, Aylin Tezel, Stefan Konarske). Denn hier, in diesem lupenreinen Hartz-IV-Biotop, zwischen Küchenmief, Bierbauchidylle und Migrantenzoff, hier müssen sie den Mord an Nadine Petzokat aufklären – einer flotten 16-jährigen, die der Enge ihrer ärmlichen Herkunft entkommen wollte.

Und das nicht etwa durch eifriges Bimsen fürs Abi, sondern durch zügelloses Baggern auf noblen Club-Partys. Doch offenbar war ihr letzter Flirt mit den Jungs aus der Upperclass einer zu viel. Misshandelt und vergewaltigt, landet Nadine tot im Phönixsee. Und weder ihre Eltern (grandios: Markus John, Jule Böwe), noch ihre Freunde wollen eine Ahnung haben, was passiert ist. So müssen unsere Kriminalen ganz tief in die Trickkiste greifen, um hinter Nadines geheimes Doppelleben zu kommen.

Dieser Fall ist ohnehin verdammt heftig – Blut, Rotz und Tränen satt. Doch noch prickelnder ist die Metamorphose unseres Kripo-Quartetts vom Chaoshaufen zum charismatischen Dreamteam. Jürgen Werner (Buch) und Andreas Herzog (Regie) sei Dank. Mit ihren gewitzten Dialogen, düsteren Milieubildern und einem unglaublichen szenischen Timing bügeln sie die Startprobleme unserer vier Helden einfach weg.

Was nur heißt: So macht der Dortmunder „Tatort“ doch noch Furore. Und: Faber kann bald raus aus seinem Stinke-Parka. Oder hat dieser Typ jetzt noch Schimanski-Anleihen nötig?

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