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Sonntagskrimi im Ersten : "Tatort": Erst Spaß, dann Mord

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Nachdem ein junger Familienvater auf dem U-Bahnsteig zu Tode geprügelt wird, stehen die Kommissare Ritter und Stark vor der Aufgabe, den Tathergang zu ermitteln.

Berlin | Am Ende hat der Täter nur ein feistes Grinsen übrig. Warum Mark Haessler sterben musste, wollen unsere Berliner Kommissare Ritter und Stark (Dominic Raacke, Boris Aljinovic) von dem jungen Mann wissen? "Naja, weiß nich …" Was wohl heißen soll: "Shit happens, der Typ hätte sich eben nicht mit uns anlegen dürfen". Ist es so einfach?

In Oklahoma knallen drei Jungs einen Jogger ab – „einfach so zum Spaß". Letztes Jahr am Alex stirbt der 20-jährige Johnny bei einer Prügelei – offenbar auch nur aus einer üblen Laune heraus. Und was Mark Haessler (Enno Kalisch) heute Abend im „Tatort“ passiert, klingt ebenfalls verdammt echt: Er geht in der U-Bahn dazwischen, als zwei Halbstarke (Jannik Schümann, Edin Hasanovic) einen Behinderten "abziehen" wollen. Kurz darauf ist er tot.

Erschlagen, wie es zunächst scheint. Ganz Berlin steht unter Schock. Klar, dass der Innensenator jetzt seinen gesamten Polizeiapparat in Bewegung setzt. Klar auch, dass sich die Presse auf den Fall stürzt und selbst zum "Helden von Berlin" recherchiert. Den Ermittlern immer eine Nasenlänge voraus. Zum Glück sind die zwei Kerle bald gefasst. Was folgt, sind Verhöre, Anwaltstricksereien und tumbe Unschuldsmärchen. Bis einer der beiden als Haupttäter überführt ist – und eben nur noch grinst. Aber ist damit der Fall gelöst?

Irgendwie schon. Aber irgendwie auch nicht. Denn nach dem Abspann werden wir weiter mit offenem Mund dasitzen und fragen: Woher kommt diese Brutalität bei den Jugendlichen? Wird neuerdings zum Spaß gekillt? Bis wir erkennen: Das kann mir auch passieren.

Genau diese Spannung zwischen Zivilcourage, Gleichgültigkeit und nackter Angst ist es, die uns Stephan Wagner (Buch und Regie) mit seinem "Tatort" vermittelt. Hier die äußere Dramaturgie der Ereignisse, die uns in Atem hält. Da die Hilflosigkeit des Kripo-Teams, dem Mordmotiv auf den Grund zu kommen. Dabei zeichnet Wagner seine Figuren so real, als wäre alles live abgefilmt – von den bösen Jungs bis hin zu den Zeugen. Raacke und Aljinovic müssen da schon echt Kante geben, um mitzuhalten. Was sie auch tun – laut, leise und mit viel Berliner Gefühl. Großes Kino!

"Tatort – Gegen den Kopf", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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erstellt am 08.Sep.2013 | 14:55 Uhr

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