zur Navigation springen

Spektakuläre Abgänge : Tatort-Ermittler: Abschied mit Knalleffekt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Haferkamp, Schimanski, Franziska: Wenn „Tatort“-Kommissare ihren Hut nehmen, geht es mal brutal, mal emotional und manchmal auch lustig zu.

von
erstellt am 03.Aug.2014 | 17:12 Uhr

Berlin | Die neue „Tatort“-Saison steht schon in den Startlöchern: Ende August kehrt Deutschlands beliebteste Krimireihe endlich aus der langen Sommerpause zurück. Doch dann heißt es auch Abschied nehmen von einigen Ermittlern: Noch 2014 hört nicht nur Joachim Król als Frankfurter Kommissar auf, auch Boris Aljinovic nimmt als Berliner Spürnase den Hut, und 2015 ist dann für Simone Thomalla und Martin Wuttke als Leipziger Ermittlerduo Schluss.

Zeit für einen kleinen Rückblick auf die spektakulärsten Abgänge in der langen Geschichte der traditionsreichen Krimireihe – beileibe nicht jeder Kommissar ist lebend aus dem Dienst geschieden.

Erwürgt
Den mit Abstand brutalsten Abschied hatte die Assistentin der Kölner Kommissare Ballauf und Schenk: Franziska (Tessa Mittelstaedt) wurde im umstrittenen Finale der gleichnamigen „Tatort“-Folge von einem Häftling stranguliert. Ein aufwühlender Fall, der Anfang 2014 aus Jugendschutzgründen erst um 22 Uhr gesendet wurde.

Auch Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) hauchte am Ende sein Leben aus: Mit einer Schusswunde und blutdurchtränktem Hemd starb der in Hamburg tätige verdeckte Ermittler 2012 tragisch. Ermordet wurde im selben Jahr der sympathisch-schräge Gisbert Engelhardt (Fabian Hinrichs), der es als Assistent des Münchener Duos Batic und Leitmayr (Miro Nemec und Udo Wachtveitl) in nur einer Folge zum Publikumsliebling brachte. „Ruhe in Frieden, Du alte Nervensäge“, weinte ihm ein Fan auf Twitter hinterher.

Anders war die Lage beim Tod von Kommissar Zorowski (Robinson Reichel): Er wurde von einem Auto angefahren und starb noch im Rettungshubschrauber. Doch weil das in den 90ern aktive Berliner Duo Roiter (Winfried Glatzeder) und Zorowski unbeliebt wie kaum ein anderes Team war, hielt sich die Trauer des Publikums in Grenzen.

Völlig vergessen ist heute der Streifenbeamte Rolfs (Klaus Löwitsch), der gleich in seinem ersten Film im Dienst ums Leben kam. Und wer denkt heute noch an Martin Blum? Der von Michael Gwisdek gespielte Kripochef, Gatte von Bodensee-Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes), wurde im ersten Konstanzer „Tatort“ erschossen – ein Abschied mit Knalleffekt.

Gemobbt
Kein blutiges, aber ein unschönes Ende gab es 1988 für die erste Frau am Tatort: Karin Anselm als Kommissarin Hanne Wiegand wurde während ihres letzten Einsatzes von den Kollegen regelrecht gemobbt und quittierte den Dienst, ohne den Fall recht lösen zu können.

Den glücklichsten Abschied hatte mit Sicherheit Carlo Menzinger (Michael Fitz), der Assistent des Münchner Duos machte 2007 eine üppige Erbschaft: Menzinger quittierte den Dienst, brauste mit einem Jaguar davon und wanderte nach Thailand aus. Singend verließen 2001 Manfred Krug und Charles Brauer als jazzaffine Hamburger Ermittler Stoever und Brockmöller die Bühne. Und der bodenständige Leipziger Ermittler Bruno Ehrlicher (Peter Sodann) ließ 2007 bei seiner Abschiedsfeier den feinen Lachstartar kurzerhand durch Butterbrote und saure Gurke ersetzen: Zünftig.

Legendär ist der Abflug des Kultermittlers Horst Schimanski, gespielt von Götz George: Bei seinem letzten Auftritt im „Tatort“ 1991 (das Spin-Off „Schimanski“ startete erst 1997) ging das Raubein aus dem Ruhrpott mit einem Drachenflieger von einem Hochhaus aus in die Luft und brüllte „Scheiße“ – ungeklärt ist, ob er sich damit auf die Filmmusik bezog: Der Titel „Against the Wind“ stammte von Dieter Bohlen.

Letzte Worte
Einen Ehrenplatz in der Rubrik „berühmte letzte Worte“ hat sich Jochen Senf 2005 gesichert. Zwar gab es im Vorfeld Misstöne um das Aus für Senf, der sich als Saarbrücker Kommissar Max Palu ausgebootet fühlte. Zum Abschied sagte der Ermittler zu seinem Assistenten aber betont lapidar: „Das war’s, Stefan. Kauf dir mal nen Anzug.“

Andrea Sawatzki dagegen gönnte sich 2010 in ihrem letzten Frankfurter „Tatort“ an der Seite von Jörg Schüttauf einige Anspielungen auf das Ende: „Dieser Fall fühlt sich komisch an. Als ob wir das alles hier zum letzten Mal machen.“

Robert Atzorn machte als Kommissar Jan Casstorff in Hamburg 2008 am Ende seiner Freundin einen Heiratsantrag und gab seinen Job auf. Seine letzten Worte waren an Zollbeamte gerichtet: „Ich danke euch!“.

Und Heinz Haferkamp (Hansjörg Felmy) aus Essen, einer der legendärsten Ermittler überhaupt? Der knallt am Ende einfach eine Autotür zu: Das war’s.

Fragt man aktuelle „Tatort“-Darsteller wie sie mal aus dem Dienst scheiden wollen, können sich die wenigsten vorstellen, dass ihre Figur am Ende stirbt. Über Joachim Króls Kommissar Frank Steier heißt es beim Hessischen Rundfunk: „Auf keinen Fall stirbt seine Figur vor der Kamera. Der Tod ist viel zu banal für uns.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen