Pfingstmontag aus Ludwigshafen : „Tatort“: Dunkle Intrige à la Dominque Strauss-Kahn

Die Mordaffäre um den sexhungrigen EU-Abgeordneten erinnert an den Fall von „DSK“, findet unser Autor Frank Kober.

shz.de von
25. Mai 2015, 15:24 Uhr

Probleme im „Tatort“ Ludwigshafen löst unser Dandy-Cop Kopper (Mario Hoppe) ja am liebsten so: „Komm, Lena, lass uns feiern! Ein bisschen Pasta, ein bisschen Wein …“ Als wäre so die Welt zu retten. Die kleine – Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) zieht nach gefühlten 60 Jahren endlich aus der WG mit Kopper aus, oder gar die große. Selbst wenn sie so prunkvoll scheint, wie das Schlosshotel „Kurpfalz“ nahe Ludwigshafen.

Hier stürzt nämlich eines Morgens im Treppenhaus Zimmermädchen Yasemin Akhtar ganz unfreiwillig vier Stockwerke tief in den Tod. Und hat die Nobelherberge solch Ungemach zwar noch nie erlebt, so schwant Hotelchef De Dreusen (David C. Bunners) doch bald das Schlimmste: Hatte im 4. Stock nicht Ex-Ministerpräsident Joseph Sattler (Peter Sattmann) Stellung bezogen?
Richtig, allerdings anders als gedacht, wie Lena und Kopper herausfinden. Denn Sattler bezieht am liebsten Stellung, wenn er junge Damen vernascht. Sehr zum Verdruss seiner Frau (Suzanne von Borsody). Oder auch nicht, denn sie profitierte vom Machthunger, ja, sogar vom Sexhunger ihres Gatten eine Ehe lang. Doch nun, da er als EU-Abgeordneter just eine Frauenquote für Unternehmensvorstände durchdrücken will, bringt so eine Mordaffäre natürlich die Sattlers gehörig ins Wanken. Geht so eine Polit-Intrige?

 

Und ob! Dabei versuchen Stefan Dähnert und Patrick Brunken (Buch) erst gar nicht, ihre Skandal-Anleihe bei „DSK“, dem Ex-IWF-Präsidenten Dominique Strauss-Kahn, zu kaschieren. Im Gegenteil: Noch mehr dunkle Arabesken hier, noch mehr fiese Strippenzieher da, malen sie dieses (Un)Sittenbild weiter aus. So kann Regisseur Tim Trageser voll in den Klischees schwelgen und uns hübsch an der Nase herumführen.

Etwa in Gestalt von LKA-Ermittlerin Johanna Stern (Lisa Bitter), die die Mär vom weiberfressenden Machtmensch Sattler nur allzu leicht schluckt. Dass sie sich deshalb erneut mit Lena fetzt, macht diesen konstruierten und behäbigen „Tatort“ keineswegs flotter. Erst recht nicht, wenn Kopper dazwischen geht und seine Lebensweisheiten verteilt. Das ist so öde wie – „ein bisschen Pasta, ein bisschen Wein“.

„Tatort – Roomservice“, Pfingstmontag, 20.15 Uhr, ARD

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