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ARD-Krimi vom Bodensee : Tatort: Der Weihnachtsmann und eine mysteriöse SMS

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„Côte d'Azur“ lautet der Titel der neuen Tatort-Folge. Doch die Szenerie ist alles andere als sommerlich-schön.

shz.de von
erstellt am 01.Nov.2015 | 15:12 Uhr

Tragisch, tragisch: Hartz-IV-Empfängerin Vanessa Koch irrt mit ihrem Kinderwagen durch die stockdunkle Nacht, angehübscht mit teuren Klamotten und offenbar auf dem Weg zu einem Date. Am Ufer des Bodensees, mitten im Schilf, fühlt sie sich verfolgt, lässt ihr Baby Baby sein und kraucht auf allen Vieren davon.

Dann steht ein Weihnachtsmann vor ihr, mit einer Axt – und es kracht. Nur einmal. Wenig später geht bei der Polizei eine SMS ein: „Ich bin tot. Schilf am Ende vom Winterer Steig. Kümmern Sie sich um mein Baby. Bitte schnell.“

Kann ein „Tatort“ verwirrender beginnen? Kripo-Beau Kai Perlmann jedenfalls (Sebastian Bezzel) ist ob der Brutalität des Mordes so geschockt, dass er sich am nächsten Morgen nur auf die Spurensuche konzentriert. Doch Klara Blum (Eva Mattes) erkennt die wahre Botschaft der SMS – und siehe, das Baby, Alexander, wird ganz in der Nähe gefunden. Stark unterkühlt und in akuter Lebensgefahr.

Aber was, zum Teufel, war hier passiert? Wo wollte die Mutter hin? Warum musste eine Alkoholikerin sterben, die nichts besaß, außer ihrem Baby? Und überhaupt: Wer sandte die SMS, um wenigstens Klein-Alexander zu retten? Etwa Vanessa Kochs Mörder?

Wolfgang Stauch (Buch) und Ed Herzog (Regie) führen unser Konstanzer Kripo-Duo tief hinein in ein soziales Elendsquartier, in der eine Kommune verkrachter Existenzen ums Überleben kämpft (u. a. Peter Schneider, Friederike Linke, Kai Malina). Hier laufen alle Spuren zusammen. Und wie zum Hohn prangt über der windschiefen Baracke der Name „Côte d’Azur“.

Doch so sehr sich dieser „Tatort“ auch bemüht, das Milieu und seine trüben Gestalten auszuleuchten, Empathie für die Gescheiterten zu erheischen und den moralischen Zeigefinger gegen eine skrupellose Gesellschaft zu richten – glaubwürdig ist das Ganze nur bedingt. Weil die Suff- und Drogenbilder eher kokettieren als berühren, weil die Figuren eher künsteln als überzeugen und weil die ganze Story arg konstruiert wirkt.

Schlecht ist dieser „Tatort“ deshalb keineswegs. Aber unter die Haut geht er eben auch nicht. Schlimm genug – in dieser Zeit der Halt- und Hilflosigkeit.

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