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Trickbetrüger in Glückstadt : Täter stellen sich taubstumm

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Aus der Onlineredaktion

Sie halten Passanten ein Klemmbrett unter die Nase und fordern Spenden. Der Gehörlosenverband distanziert sich: „Wir sind das nicht!“

Glückstadt/Kiel | „Er tat so als könne er nicht sprechen!“ In Glückstadt war gestern Abend zwischen 17.20 und 17.45 Uhr ein Unbekannter als falscher Spendensammler unterwegs. Nach Zeugenangaben bat er um Geld für die „Taubstumme“. Er verwies bei seinem Vorgehen auf ein Klemmbrett, auf dem die Zeile „Hilfsaktion für Taubstumme“ zu lesen war. Auf einem Zettel konnten die Spender Namen und gespendeten Betrag eintragen. Offenbar ließen sich mehrere Personen von seiner Bittstellerei erweichen und zahlten.

Als eine Zeugin erfuhr, dass der vermeintlich Gehörlose doch sprechen kann - zuerst an der Kasse eines Drogeriemarkts und dann von Angesicht zu Angesicht in der Kremper Straße, wurde ihr klar, dass sie einem Schwindler aufgesessen ist. Nachdem der Mann dort entlarvt wurde, flüchtete er.

Die Masche ist kein Einzelfall. Immer wieder veröffentlichen Polizeistationen aus ganz Schleswig-Holstein ähnliche Meldungen: zuletzt in Wedel, Elmshorn, Neumünster, Schleswig und Kiel.

Doch woher sollen Passanten wissen, wer wirklich bedürftig ist und wer nicht? Angelika Kirschke vom Sozialdienst des Gehörlosen-Verbandes Schleswig-Holstein erklärt: „Wir distanzieren uns komplett von diesen Aktionen.“ Aktuell seien ihr keine Fälle bekannt, in denen Vereine, die zum Gehörlosen-Verband gehören, Straßensammlungen durchführen. Sie rät: „Wenn es doch ein Gehörloser sein sollte, würde man ihn an einem Ausweis erkennen.“ Und: Gehörlose würden sich niemals als Taubstumme bezeichnen. „Das ist ein Schimpfwort!“, so Kirschke.

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erstellt am 03.Sep.2014 | 16:52 Uhr

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