Neuer Partner für die Akademie : Synergie-Bündnis in Sankelmark

In ihren Händen liegt der Kurs der Akademie Sankelmark: EASH-Vorsitzender Heinz Maurus (links) und Grenzvereinsvorsitzender Jörg-Dietrich Kamischke (r.) stellen das neue Direktoren-Duo vor:  Dr. Christian Pletzing (Mitte rechts) und Stellvertreter Dr. Stefan Vöhringer Foto: jung
In ihren Händen liegt der Kurs der Akademie Sankelmark: EASH-Vorsitzender Heinz Maurus (links) und Grenzvereinsvorsitzender Jörg-Dietrich Kamischke (r.) stellen das neue Direktoren-Duo vor: Dr. Christian Pletzing (Mitte rechts) und Stellvertreter Dr. Stefan Vöhringer Foto: jung

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16. Dezember 2010, 07:16 Uhr

sankelmark | Mag man da an Zufall glauben? Sowohl der neue Direktor der Akademie Sankelmark, Dr. Christian Pletzing (41), als auch sein Stellvertreter Dr. Stefan Vöhringer (40) haben Anekdoten auf Lager, wenn sie nach ihren allerersten Erinnerungen an die Bildungsstätte gefragt werden. Der in Flensburg aufgewachsene Vöhringer hatte im Alter von 15 Jahren ausgerechnet die Tochter des damaligen Akademie-Direktors, Christiane Oertel, als Tanzstunden-Partnerin. Pletzing war als Mitarbeiter der einstigen Ostsee-Akademie in Travemünde auf Einladung der Bundeszentrale für Politische Bildung 1999 Gast bei einem Treffen für Dozenten aus der Erwachsenenbildung in Bad Kissingen. Er stieg dort bei einer Exkursion als letzter Teilnehmer in den Bus, nahm den einzigen noch freien Platz in Beschlag - und fand sich dort inmitten von Kollegen aus ganz Deutschland ausgerechnet neben Dr. Rainer Pelka wieder, bis in diesen Spätsommer hinein Leiter in Sankelmark. Und beide haben über ein Preußen-Thema promoviert: der Politologe und Kunsthistoriker Vöhringer über die Selbstdarstellung des Hohenzollernschen Königshauses, der Historiker Pletzing da rüber, wie sich die Bewohner West- und Ostpreußens im 19. Jahrhundert in Deutsche und Polen aufteilten.

Während Vöhringer seit 2006 Dozent in der Bildungsstätte hoch über dem See ist, leitet der aus Münster stammende Pletzing seit 2001 die "Academia Baltica". Diese hatte sich in Lübeck neu gegründet, nachdem es zwischen der Landesregierung und der Pommerschen Landsmannschaft zum Krach über die Ausrichtung der von der Landsmannschaft getragenen Ostseeakademie gekommen war. Seine "Academia Baltica" bringt Pletzing mit bei seinem Umzug mit auf die Geest: Die Einrichtung, die in der Hansestadt nur über Büros, nicht aber Unterkünfte verfügte, schlüpft ab sofort als dritter Partner unter das Dach des Tagungszentrums. Der Deutsche Grenzverein ist dort seit Gründung in den 50er Jahren zu Hause; vor mehr als zehn Jahren war die Europäische Akademie Schleswig-Holstein (EASH) durch einen Umzug aus Leck hinzugekommen.

"Mit unserem Dreier-Bündnis möchten wir Synergie-Effekte heben und die Haushaltsmaßnahmen des Landes schon vorwegnehmen", sagte Grenzvereins-Vorsitzender Jörg-Dietrich Kamischke, nachdem bei einer gemeinsamen Vorstandssitzung von Grenzverein und EASH der Kooperationsvertrag unterzeichnet worden war. Man müsse sich nichts vormachen, sagte Kamischke - die bisherige Arbeit der drei Partner wäre gefährdet gewesen, hätte man die Weichen nicht neu gestellt. Der Grenzverein muss in diesem Jahr mit 100 000 Euro und im nächsten Jahr mit 50 000 Euro auskommen, die Academia Baltica eine Halbierung ihrer Mittel auf 60 000 Euro verkraften.

Die Leitungsposition in Sankelmark war im September freigeworden, nachdem Ex-Direktor Pelka anlässlich seines 60. Geburtstags zurück ins Glied als reiner Dozent getreten war. Als Stärke Pletzings nannten Kamischke und EASH-Vorsitzender Heinz Maurus unter anderem dessen in den gesamten Ostseeraum reichende Kontakte sowie Pletzings umfangreiche Erfahrung im Einwerben von Projektmitteln. Ein Drittel des Etats der "Academia Baltica" speist er da raus. Die Beispiele reichen von der Bosch- oder Zeit-Stiftung über die Stiftung zur deutsch-polnischen Zusammenarbeit bis zur Filmförderung für Schleswig-Holstein und Hamburg. Der frischgebackene Sankelmark-Chef kündigte an, der Medienarbeit in Sankelmark eine größere Rolle zu geben. Unter anderem will er 2012 gemeinsam mit dem NDR erneut das "Baltic Media Forum" ausrichten, einen Treff für Medienschaffende, Politik, Wirtschaft und Kultur, den die "Academia Baltica" bereits fünf Mal auf die Beine gestellt hat. Insgesamt stammt etwa ein Drittel aller Veranstaltungsteilnehmer der "Academia Baltica" aus Polen, dem Baltikum und Russland - eine Chance, so Maurus, um auch Sankelmark stärker als bisher zu internationalisieren. Der Europa-Staatssekretär im Kabinett Peter Harry Carstensen zeigte sich "sicher, dass künftig auch das ein oder andere Sankelmark-Projekt in die Ostsee-Strategie der Landesregierung hineinpasst". Auch in Verbindung mit dem deutschen Vorsitz im Ostseerat 2012 sieht er Chancen für die Bildungsstätte.

Eines der ersten Projekte, das Pletzing für die Region Mare Balticum anschieben möchte, ist ein "virtuelles Geschichtsbuch" über den gesamten Ostseeraum. Gemeinsam mit Universitäten, Museen und Nicht-Regierungsorganisationen aus allen Anrainer-Staaten möchte er dieses Werk erarbeiten, "um allen die gemeinsamen Wurzeln in diesem Teil Europas bewusst zu machen". "Dann lassen sich die gemeinsamen politischen Ziele der Ostsee-Strategie viel leichter erreichen."

Dass es zu seinem Alltagsgeschäft gehören wird, laufend Überzeugungsarbeit zu leisten, wurde bei dem Vorstellungstermin des Führungs-Duos auch deutlich. Gesichert sei die Dreier-Kooperation zunächst für zwei Jahre, sagte Maurus und ergänzte: "Ich will nicht verhehlen, dass die finanzielle Situation weiter angespannt bleibt. Profilbildung ist wichtig, da sich der Politiker ansehen muss, wo ein Mehrwert geschaffen wird."

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