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Streit um Breitbandleitung : Sylt: Bahn muss Kabel über Hindenburgdamm erlauben

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Kommt die Deutsche Bahn einer Entscheidung der Bundesnetzagentur nicht binnen vier Wochen nach, droht ein Zwangsgeld in Höhe von 75.000 Euro.

shz.de von
erstellt am 29.01.2014 | 06:30 Uhr

Sylt | Streit um den Hindenburgdamm: Das dänische Telekommunikationsunternehmen Global Connect möchte dort ein Glasfaserkabel verlegen – die Deutsche Bahn Netz AG will das nicht. Schon vor rund einem Jahr hatte Global Connect die Bundesnetzagentur eingeschaltet, die die Bahn nun zum zweiten Mal aufgefordert hat, die Verlegung des Kabels zu ermöglichen.

Zum Hintergrund: Schnelles Internet, für das Glasfaserkabel unter anderem genutzt werden, wird auf Sylt bisher nur von der Deutschen Telekom angeboten, die ihre Leitungen aber nicht von anderen Unternehmen nutzen lässt. Das Unternehmen Global Connect dagegen vermietet sein Netz an Internetanbieter wie beispielsweise O2 oder E-Plus. Auf Sylt sei man zum einen wegen Privatkunden interessiert, die so einen anderen Netzanbieter wählen könnten, sagte Geschäftsführer Oliver Beck. Zum anderen enden in Westerland mehrere Überseekabel aus den USA. Diese Daten könnten schneller auf das Festland weiter geleitet werden.

Die DB Netz AG begründet ihre Weigerung, das Kabel auf dem Hindenburgdamm zu erlauben, damit, dass „Eingriffe in die Substanz des Bauwerks die Stabilität des Dammes insbesondere bei Sturmfluten gefährden“ könnte, so Sprecher Egbert Meyer-Lovis.

Der Grund, der laut Branchenkennern hinter der Weigerung stehen könnte, klingt anders: Auch jetzt lässt das Unternehmen Bahntrassen von Telekommunikationsunternehmen nutzen – gegen Entschädigungszahlungen. Nach dem seit 2012 gültigen Telekommunikationsgesetz darf die DB Netz AG allerdings lediglich ein kostendeckendes Entgelt verlangen. Bisher, heißt es aus der Bundesnetzagentur, sei solch eine Anfrage von einem Telekommunikationsunternehmen noch nicht gestellt worden – das Glasfaserkabel auf dem Hindenburgdamm wäre damit der Präzedenzfall, nach dem andere Unternehmen in ganz Deutschland die Infrastruktur der Bahn deutlich günstiger nutzen könnten.

Die Bundesnetzagentur drohte der DB Netz AG gestern mit einem Zwangsgeld in Höhe von 75.000 Euro, sollte sie Global Connect nicht innerhalb eines Monats ein Angebot unterbreiten. Das werde nun geschehen, sagte Sprecher Meyer-Lovis gegenüber unserer Zeitung – gleichzeitig will die Bahn aber auch weitere rechtliche Schritte prüfen. Genau aus diesem Grund glaubt Beck von Global Connect auch nicht, dass sein Unternehmen das Glasfaserkabel über den Hindenburgdamm legen wird: „Wir sind ein kleines privatwirtschaftliches Unternehmen – wir können es uns gar nicht leisten, nun einen Präzedenzfall vor Gericht durchzuboxen.“

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