zur Navigation springen

Stromtrasse nach Bayern : „Südlink“ wohl mehrere Jahre später fertig als erwartet

vom

Verzögerungen gibt es durch die geplanten Erdkabel: Vieles muss neu geplant werden.

Berlin | Die geplanten Strom-Autobahnen von Nord nach Süd werden voraussichtlich mehrere Jahre später fertig als bislang erwartet. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung (Dienstag) unter Berufung auf einen neuen Bericht der Bundesnetzagentur. Grund sei vor allem die geplante Verlegung der Leitungen unter der Erde. „Das verlangt umfangreiche Neuplanungen“, zitiert die Zeitung die Bundesnetzagentur.

Die Verzögerungen bedeuten für die Windbauern im Norden und die Stromkunden nichts Gutes: Solange der „Südlink“ nicht fertig ist, drohen verstärkt Abschaltungen von Windrädern, weil die immer größere Stromproduktion sonst das Netz zusammenbrechen ließe. Bezahlt werden muss der erzeugte Ökostrom allerdings trotzdem – von den Verbrauchern.

Demnach wird die sogenannte SuedLink-Trasse von Norddeutschland nach Bayern und weiter nach Baden-Württemberg erst 2025 fertig, drei Jahre später als bisher geplant. Genauso sieht es beim Korridor A aus, einer Leitung von Emden ins nordrhein-westfälische Osterath. Die Leitung von Osterath ins baden-württembergische Philippsburg wiederum braucht dem Bericht zufolge zwei Jahre länger bis 2021. Die Trasse SuedOstLink von Sachsen-Anhalt nach Niederbayern wird erst 2025 fertig.

Bundestag und Bundesrat hatten Ende 2015 beschlossen, dass die Stromtrassen, die im Zuge der Energiewende vor allem Windstrom nach Süden transportieren sollen, vorrangig als Erdkabel konzipiert werden statt als Überlandleitungen. Dies soll die Akzeptanz der Megaprojekte bei den Menschen erhöhen, ist aber auch deutlich teurer. Ursprünglich sollten die Nord-Süd-Leitungen fertig sein, wenn die letzten deutschen Atomkraftwerke 2022 vom Netz gehen.

Kritik kam prompt von Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne): Er hat von der Bundesregierung mehr Tempo beim Ausbau der Stromnetze gefordert. „Sie muss sich endlich konsequent hinter den Netzausbau klemmen und für ihn einstehen, statt die Energiewende zu bremsen“, sagte Habeck am Dienstag.

Habeck kritisierte, „die Verzögerung bei Südlink ist sehenden Auges entstanden und politisch von der Bundesregierung und Bayern zu verantworten“. Das nördlichste Bundesland habe den Ausbau der Stromnetze „so konsequent und schnell vorangetrieben wie kein anderer“. Die Netze im Norden seien bereits in wenigen Jahren fertig. „Aber die bundesweite Energiewende kann nur mit Südlink funktionieren. Der Bundesregierung hängt hier dem Zeitplan extrem hinterher.“ N

ach Ansicht von Habeck sei derzeit eher zu viel Atom- und Kohlenergie in den Netzen als zu viel Ökostrom. „Die drei Atomkraftwerke im Norden produzieren dauerhaft mindestens soviel Strom wie ein Strang Südlink transportieren soll.“

zur Startseite

von
erstellt am 07.Jun.2016 | 12:22 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen