Ausbildungsförderung : "Studium Sorgenfrei" in Dänemark

Minderheitsdänin an der Syddansk Universitet: Greta Böhm muss sich dank der dänischen Studienförderung keine Geldsorgen machen.  Foto: Kim Rune
Minderheitsdänin an der Syddansk Universitet: Greta Böhm muss sich dank der dänischen Studienförderung keine Geldsorgen machen. Foto: Kim Rune

Wer in Dänemark studiert, bekommt eine staatliche Ausbildungsförderung, die nicht zurückgezahlt werden muss. Auch einige Deutsche können von diesem Segen profitieren.

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14. September 2012, 01:41 Uhr

Odense/Sydslesvig | Rund 760 Euro im Monat - als Geschenk? Was für dänische Studenten eine Selbstverständlichkeit ist, erscheint ihren deutschen Kommilitonen wie ein Studium de luxe. Denn in puncto Bildung gehen die Philosophien der beiden Nachbarstaaten weit auseinander. Wer in Dänemark studiert, bekommt eine staatliche Ausbildungsförderung ("Statens Uddannelsestøtte", kurz "SU"), die nicht zurückgezahlt werden muss. Im Gegensatz zum deutschen Bafög-System (siehe Info-Kasten) spielt es hier keine Rolle, wie viel etwa die Eltern verdienen. Bildung soll für jeden zugänglich sein.
Doch auch einige Deutsche können vom SU-Segen profitieren. Wenn sie der dänischen Minderheit im Landesteil Schleswig angehören und einen dänischen Schulabschluss haben, können sie vor dem dänischen Gesetz gleichgestellt werden - und müssen sich während ihres Studiums in Dänemark kaum Sorgen über die Finanzierung machen.
Der dänische Förderbetrag ist nach der Wohnsituation gestaffelt
Eine von ihnen ist Greta Böhm (23). Die Absolventin der Duborg-Skolen in Flensburg studiert an der Syddansk Universitet Odense im siebten Semester Sport und Deutsch auf Lehramt. "Es wäre Quatsch, sich die Möglichkeit entgehen zu lassen und nicht in Dänemark zu studieren, wenn man der dänischen Minderheit angehört. In Deutschland müssten meine Eltern mein Studium finanzieren - hier ist es quasi umsonst", sagt die gebürtige Kielerin. Minderheitsdänin wurde sie eher durch Zufall. Ihre Eltern waren auf der Suche nach einem Kindergarten, der lange geöffnet hat, da ihre Arbeitszeiten bis in den Abend reichten. Da blieben nur die dänischen Einrichtungen. So lernte sie die Sprache und Kultur - und setzte ihren Lebensweg in diesem Bildungssystem fort. "Ich weiß, dass viele Eltern ihre Kinder nur deshalb auf dänische Schulen schicken, damit sie später von der Studienförderung in Dänemark profitieren können", erzählt Greta.
Der dänische Förderbetrag ist nach der Wohnsituation gestaffelt: Wer noch bei den Eltern wohnt, bekommt die Hälfte des SU-Satzes, etwa 380 Euro. Wer sich selbst eine Unterkunft finanziert, erhält den Höchstsatz von 760 Euro - wohlgemerkt: geschenkt. Zusätzlich kann sich jeder Student rund 400 Euro zu günstigen Konditionen leihen und später in Raten zurückzahlen. Einfach ist die Beantragung für die Minderheitsdänen jedoch nicht, wie Greta sich erinnert. Wer keine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, muss viele Formulare ausfüllen, Nachweise einreichen und eine dänische Personennummer beantragen, bevor das Geld aufs Konto fließt. Wie viele deutsche Studenten diese Möglichkeit tatsächlich nutzen, war aus dem SU-Büro der Syddansk Universitet in Odense nicht zu erfahren. Der Grund: Sie werden im System wie dänische Empfänger behandelt und sind nicht gesondert ausgewiesen. Doch Greta weiß von vielen deutschen Schulkameraden, die von der Förderung im Nachbarstaat profitieren.
"Wer nicht auf Luxusgüter verzichten möchte, müsse nebenbei arbeiten"
So auch Duborg-Absolventin Nathalie Neuffer aus Tarp. Vor drei Jahren zog sie nach Odense, wo sie an der Syddansk Universitet Medienwissenschaft studiert. "Ich habe nie überlegt, an eine deutsche Uni zu gehen", sagt die 22-Jährige. Aber der finanzielle Vorteil war nicht allein ausschlaggebend. Sie fühlt sich eher dänisch als deutsch und ist von der dänischen Uni überzeugt. Ihre dänischen Kommilitonen reagieren überrascht, wenn sie erfahren, dass ein Studium in Deutschland Geld kostet und verstehen nicht immer, warum sie als Deutsche SU beziehen darf.
Reichen die gut 760 Euro zum Leben? Hier sind sich Nathalie und Greta einig: Wenn man nicht verschwenderisch mit dem Geld umgeht, reicht es locker zum Leben. Das sehen viele Dänen anders. Im Februar schrieb eine Studentin einen Kommentar in der dänischen Zeitung "Politiken". Ihre Meinung: Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Damit entfachte sie eine große Debatte. "Vielen Dänen fehlt einfach der Vergleich, sie haben sich an einen gewissen Lebensstandard gewöhnt", meint Greta. "Wenn ich höre, dass dänische Studenten über ihre Armut klagen, dann drehe ich durch." Auch Nathalie meint: Wer nicht auf Luxusgüter verzichten möchte, müsse nebenbei arbeiten. "Aber auskommen könnte ich sogar ohne Nebenjobs."

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