Die Qual der Wahl : Studienanfänger im Norden mit Fächerangebot zunehmend überfordert

An der TU Hamburg kam es zu dem Zwischenfall.
An der TU Hamburg werden beispielsweise angehende Unternehmer im Masterstudiengang „Global Technology and Innovation Management & Entrepreneurship“ fündig.

Das riesige Fächerangebot wird stetig erweitert. Auch dieses Wintersemester starten neue Studiengänge.

shz.de von
09. Oktober 2018, 07:03 Uhr

Hamburg/Lübeck | Studienbewerber im Norden stehen vor einem riesigen Fächerangebot, das sie nach Beobachtung der Hochschulen zunehmend überfordert. Fast 20.000 verschiedene Studiengänge gebe es mittlerweile an den deutschen Unis und Hochschulen, das seien für Anfänger entschieden zu viele, sagt die Leiterin des Präsidialbereichs der Universität Hamburg, Ariane Neumann. Das breite Angebot sei kaum durchschaubar und fachlich nicht immer sinnvoll. Vor allem im Bereich der Bachelor-Studiengänge sei die Vielzahl der Angebote kaum nachzuvollziehen, denn ein Grundstudium müsse breites Basiswissen und keine Spezialisierungen vermitteln, findet Neumann.

Auch die Suche nach einem Job ist mit einem Spezialabschluss nicht immer einfach. „Für Absolventen hochspezialisierter Bachelor- oder Master-Studiengänge ist es unserer Erfahrung nach schwerer, eine Stelle nach dem Studium zu finden“, sagt die Unifachfrau. Auch der Wissenschaftsrat, ein Beratungsgremium der deutschen Hochschulen, habe die kritische Durchsicht der hohen Zahl an Studiengängen empfohlen. Trotzdem starten auch zu diesem Wintersemester an den Hochschulen im Norden viele neue, zum Teil sehr spezialisierte Studiengänge:

Angehende Unternehmer mit Innovationsgeist sollen von diesem Oktober an an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) fündig werden. Mit dem neuen Masterstudiengang „Global Technology and Innovation Management & Entrepreneurship“ will die Hochschule nach eigenen Angaben auf eine erhöhte Nachfrage im Bereich Technologie- und Innovationsmanagement sowie Unternehmertum reagieren. An der TUHH würden bereits jetzt Studierende beim Übergang vom Studium in die Gründung eines Unternehmens begleitet. Der zweijährige Master baue darauf auf, sei stark international aufgestellt und kooperiere mit Universitäten in Dänemark, Litauen, Indien, Japan und Schottland.

Noch mehr fremde Kulturen und Religionen als bisher können nun an der Universität Hamburg studiert werden. „Alevitische Religion“ und „Islamische Religion“ werden nach Angaben der Uni im Master bei den Erziehungswissenschaften neu angeboten. Bei den Geisteswissenschaften sind es „Indologie und Tibetologie“, „Afrikanische Sprachen und Kulturen“ sowie „Geschichte, Sprache und Kulturen des Vorderen Orients“, ebenfalls jeweils im Master.

Sogenannte Arztassistenten werden ab diesem Herbst an der Hochschule Fresenius in Hamburg ausgebildet. Im Fachbereich Gesundheit und Soziales gibt es den Studiengang „Physician Assistance“, der den Angaben zufolge medizinische Fachkompetenzen vermittelt. Das aus den USA kommende Berufsbild des Arztassistenten sei in Deutschland noch relativ neu. Die Assistenten sollen zur Entlastung der Ärzte beitragen, als Schnittstelle zwischen diesen und den Pflegern fungieren und die Folgen des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen mildern.

Logopäden und Ergotherapeuten werden an der Universität zu Lübeck und zum ersten Mal in Teilzeit ausgebildet. Die Bachelorstudiengänge „Logopädie“ und „Ergotherapie“ ergänzen die drei bestehenden Studiengänge Pflege, Physiotherapie und Hebammenwissenschaft. Damit ist die Uni eigenen Angaben zufolge bundesweiter Vorreiter, was das Studienangebot der Gesundheitsfachberufe angeht.

Mehr angehende Städte- und Bauplaner brauchen die Landesbetriebe und Kommunen in Schleswig-Holstein. An der Fachhochschule Kiel wurde wegen Nachwuchssorgen und auf Betreiben der Landesregierung der neue Bachelorstudiengang „Bauingenieurwesen“ eingerichtet. Dieser sei ein industriebegleitendes Studium mit einem dualen Modell, das Theorie und Praxis enger verzahnen soll, so Hochschulsprecherin Frauke Schäfer.

Die Energie-Experten der Zukunft bildet vom Wintersemester an die Technische Hochschule Lübeck (THL) aus. Das Besondere am neuen Bachelorstudiengang „Regenerative Energien“: Er befasse sich nicht nur mit Zukunftsfragen rund um die Energiewende, sondern werde auch komplett online studiert, unabhängig von Zeit und Ort, wie THL-Sprecher Frank Mindt mitteilte. Die zukunftsorientierte Online-Studienweise werde auch bei anderen Fachrichtungen an der THL angeboten. Ebenfalls mit Blick in die Zukunft wird an der Universität Hamburg der Bachelorstudiengang „Bioressourcen-Nutzung“ neu angeboten. Hier wird den Angaben zufolge der Frage nachgegangen, wie Bioressourcen in Zukunft optimal angebaut und genutzt werden können.

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