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Fehmarnbeltquerung Puttgarden-Rødby : Studie: Tunnel macht Belt-Fähren den Garaus

vom

Ein geheime Studie sieht keine Hoffnung für die Nische Fährverkehr zwischen Fehmarn und Dänemark.

shz.de von
erstellt am 09.Mär.2016 | 15:11 Uhr

Puttgarden | Nach dem Bau des Fehmarnbelttunnels wird es keine wirtschaftliche Basis für einen Fährbetrieb von Puttgarden nach Dänemark mehr geben – zu dem Schluss kommt eine 76-seitige Studie des Wirtschaftsberatungsunternehmens MPMG. Mit der Eröffnung der festen Beltquerung werde die Reederei Scandlines eine „verlustbringende Gesellschaft sein“, heißt es in dem von den „Lübecker Nachrichten“ zitierten Papier. Eine Einstellung des Fährbetriebes des derzeitigen Monopolisten liege daher nahe.

Die Entscheidung für den Fehmarnbelttunnel ist gefallen. Ab 2028 sollen große Teile der jährlich 1,5 Millionen Pkw statt per Fähre durch den Tunnel von Fehmarn nach Dänemark und zurück gelangen. Die neue Verbindung soll die Wirtschaft beflügeln, könnte aber viele Arbeitsplätze kosten.

Scandlines, das knapp die Hälfte seines Gesamtumsatzes auf der Vogelfluglinie erzielt, will von einer Einstellung der Routen aber nichts wissen. Man habe konkurrenzfähige Angebote, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Søren Poulsgaard Jensen gegenüber der „LN“. Zuletzt hatte das kämpferische Fährunternehmen viel in moderne Schiffe mit Hybridantrieb investiert. Ganz so zuversichtlich für die Zukunft in Konkurrenz zum Tunnel scheint die Reederei dennoch nicht zu sein. In der vergangenen Woche eröffnete Scandlines ein neues Kapitel im Kampf gegen die Querung: Sie reichte Klage gegen den staatseigenen Tunnel-Bauherren Femern A/S ein – wegen Wettbewerbsverzerrung.

Sollten sich die düsteren Prognosen aus der noch nicht veröffentlichten Studie bewahrheiten, stünden 1500 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn hofft für Puttgarden, dass der Tourismus die maritime Nische aufrecht erhält. 20 Prozent der Verkehrsteilnehmer werden ihrer Erwartung nach weiter die blaue Linie bevorzugen. Auch Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) glaubt – ohne die Studie zu kennen – ebenso wie die Lübecker IHK nicht an das Ende des maritimen Verkehrsweges. Dieser könnte Touristen schließlich einiges an Stress ersparen.

Gemütlichkeit soll das Alleinstellungsmerkmal der Fährrouten werden. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass in der Regel der Pragmatismus siegt.
Gemütlichkeit soll das Alleinstellungsmerkmal der Fährrouten werden. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass in der Regel der Pragmatismus siegt. Foto: Imago

Meyer verweist in seiner Zuversicht auf den Öresund, wo es laut seiner Aussage trotz Brücke nach wie vor auch eine Linienfährverbindung gibt. Tatsächlich konnten sich in Dänemark allerdings nie Alternativrouten im Schatten der Großbauten behaupten – weder am Öresund noch an der Storebeltsbrücke. Sämtliche Versuche scheiterten innerhalb kürzester Zeit, etablierte Routen wurden zu Teilen sogar schon vor Bauabschluss der Brücken aufgegeben.

Lediglich die abseitigen, die Nord-Ost-Route verkürzenden Fährlinien Helsingør - Helsingborg (Schweden) sowie Ebeltoft - Odden (Seeland) blieben durch Tourismus und Transit wirtschaftlich. Wer sie nutzt, handelt meist rational – mit dem Ziel, den Weg zum Ziel zu verkürzen oder um langatmige Straßenrouten zu umgehen. Etwas Hoffnung macht die Ärmelkanal-Route von Calais nach Dover, die trotz des Eurotunnels weiter existiert – allerdings nicht mehr per Luftkissenboot sondern per Katamaran oder Fähre. Konkurrenz besteht dort aber „nur“ durch die Eisenbahn.

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