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Hamburg : Streit um Traditionsschifffahrt: Schiffe hissen Transparente beim Hafengeburtstag

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Für Traditionsschiffe ist eine neue Sicherheitsverordnung geplant. Der Dachverband ist nach wie vor beunruhigt.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 07:24 Uhr

Rostock/Hamburg | Zu Beginn der diesjährigen Hauptsaison auf Nord- und Ostsee sieht der Dachverband der deutschen Traditionsschiffe keine Entspannung in wesentlichen Fragen der geplanten und umstrittenen Sicherheitsverordnung - und zum Hafengeburtstag wollen verschiedene Schiffe auf ihre Situation aufmerksam machen. Der Entwurf des Bundesverkehrsministeriums, der teure Umbauten und strenge Anforderungen an die Seediensttauglichkeit oder medizinische Ausbildung der Besatzungen festlegt, liege derzeit in Brüssel, sagte Verbands-Vizechef Nikolaus Kern. „Mit diesem Entwurf können wir nicht leben“, sagte er.

Die geplante Sicherheitsverordnung würde sich auf das Programm verschiedener Großveranstaltungen in Schleswig-Holstein auswirken. So ist beispielsweise auch die Windjammerparade zur Kieler Woche davon betroffen: Ihr droht das Aus.

Mit der Verordnung sollen bauliche Beschaffenheit, Brandschutz und Ausrüstung sowie Qualifikationen der Crews strenger geregelt werden. Bei der Einlaufparade zum Hamburger Hafengeburtstag am Freitag (17 Uhr) wollen mehrere Traditionssegelschiffe mit gehissten Transparenten auf ihre unsichere Zukunft hinweisen. (Zum Programm des diesjährigen Hamburger Hafengeburtstags kommen Sie übrigens hier - die Höhepunkte der Veranstaltung sind auf einer Karte eingezeichnet.)

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte jüngst gesagt, dass ihm sehr am Erhalt der Traditionsschifffahrt gelegen sei. Die Schiffe sollten das Bild der Häfen weiter prägen. Allerdings müssten bei der Personenbeförderung ein hohes Maß an Sicherheit gewährleistet sein.

Für den 23. Mai sind in Berlin weitere Gespräche mit Schiffseignern, Verbänden und Vereinen vorgesehen. Dort könne auch über eine finanzielle Förderung gesprochen werden.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Entwurf noch einmal geändert wird und dann neu nach Brüssel gegeben wird“, erwiderte Kern. Problematisch seien insbesondere die baulichen Veränderungen in den alten Schiffen, die teils technisch unmöglich oder nur mit erheblichem finanziellen Aufwand zu machen sind. Die Schiffseigner zweifelten auch an der finanziellen Förderung der Baumaßnahmen, die sei nicht verbindlich zugesagt.

Von der Verordnung sind nach Kerns Angaben etwa 110 Schiffe im Norden betroffen, 90 Prozent seien nun in ihrer Existenz bedroht. „Die Übertragung von Vorschriften der Berufsschifffahrt auf ehrenamtliche Organisationen kann nicht funktionieren.“ Die Menschen, die auf den Schiffen arbeiten, seien vielfach nur ein oder zwei Wochen an Bord. Der bürokratische und vor allem finanzielle Aufwand für Schulungen sei enorm und kaum zu stemmen.

Der Umgang des Bundesverkehrsministeriums mit den Unterstützern der Traditionsschifffahrt, den Vereinen und Verbänden und sogar den Mitgliedern des Bundestags sei ernüchternd und enttäuschend, sagte der Wismarer SPD-Bundestagsabgeordnete und Experte für die Traditionsschifffahrt, Frank Junge. Selbst ein Veto des Bundeswirtschaftsministeriums habe das Dobrindt-Ministerium abtropfen lassen. Wie Kern habe er die Sorge, dass nach der Notifizierung in Brüssel nicht mehr verändert werden kann, sagte Junge. „Am Ende werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt.“

 

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