Grosse Koalition : Streit um schnelle Termine beim Facharzt

Langes Warten im  Wartezimmer,  dazu die möglichen Nebenwirkungen durch den grippe-kranken Nebenmann.
Erst jüngt zeigte eine Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigungen, dass 20 Prozent der gesetzlich Versicherten, aber nur vier Prozent der Privatversicherten über drei Wochen auf einen Facharzttermin warten müssen.

Die „Zwei-Klassen-Medizin“ soll es mit der neuen Koalition nicht mehr geben: Gesetzlich Versicherte müssen auch in SH nicht mehr monatelang auf einen Arzttermin warten. Mediziner kritisieren die schwarz-roten Pläne als realitätsfern. Kliniken fürchten Überlastungen.

shz.de von
29. November 2013, 00:34 Uhr

Berlin/Kiel | Gute Nachricht für alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen: Künftig sollen sie innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin bekommen. Diese Garantie haben CDU und SPD im Koalitionsvertrag festgeschrieben.

Und so soll es laufen: Patienten, die an einen Facharzt überwiesen werden, aber beim Arzt ihrer Wahl keinen Termin bekommen, wenden sich an die zuständige Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) – in Schleswig-Holstein also an die KV Bad Segeberg. Die dort neu zu errichtende Servicestelle hat sieben Tage Zeit, einen Termin innerhalb von vier Wochen zu vermitteln. Gelingt das nicht, können die Patienten sich ambulant im Krankenhaus behandeln lassen. Die Mehrkosten dafür gehen dann zu Lasten des Etats für die niedergelassenen Ärzte.

„Das ist ein wesentlicher Schritt in Richtung Abbau der Zwei-Klassen-Medizin“, freut sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Die Kassenärzte sehen das anders. Diese Arzttermin-Garantie sei „realitätsfern“ und habe „mit freier Arztwahl nichts mehr zu tun“, heißt in Bad Segeberg. Das sei am „grünen Tisch ersonnen“, weit weg von der Basis der Patientenversorgung. „Wohin soll der Patient auf dem Land denn gehen, wenn gar kein Augen- oder Frauenarzt mehr in seiner Nähe ist?“, fragt KV-Sprecher Marco Dethlefsen. Unrealistisch sei zudem die Vorstellung, dass Ambulanzen die Patienten behandeln sollen, falls diese keinen Termin beim Facharzt bekommen: „Die Kliniken werden sich bedanken, die sind doch jetzt schon überfüllt und klagen über Ärztemangel“, meint Detelfsen.

„Stimmt“, sagt Bernd Krämer von der Krankenhausgesellschaft in Kiel. Die Klinik-Ambulanzen seien teilweise brechend voll, „die Wartezeiten werden dann auch bei uns noch länger“, lautet seine Prognose. Scharf sei man ohnehin nicht auf die Patienten der niedergelassen Ärzte, weil die Vergütung die Behandlungskosten nicht decken und die Defizite nur weiter in die Höhe treiben.

CDU und SPD begründen ihren Vorstoß mit dem Sicherstellungsauftrag der 17 bundesdeutschen KVen mit ihren rund 150.000 Ärzten. „Gesetzlich Versicherte zahlen bis zu 350 Euro Beitrag im Monat. Wir finden, dafür muss auch eine zeitnahe
Terminvermittlung möglich sein“, begründet CDU-Mann Jens Spahn das Einschwenken auf den SPD-Kurs.

Erst jüngt zeigte eine Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigungen, dass 20 Prozent der gesetzlich Versicherten, aber nur vier Prozent der Privatversicherten über drei Wochen auf einen Facharzttermin warten müssen.

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