Getränkepreise in Dänemark : Steuersenkungen: Grenzhandel bleibt gelassen

Investition in den Grenzhandelsstandort Harrislee: Kevin Schmidt (links) und Peter Rekow montieren bei Otto Duborg am Harrisleer Ochsenweg eine neue Leuchtreklame. Foto: Michael Staudt
Investition in den Grenzhandelsstandort Harrislee: Kevin Schmidt (links) und Peter Rekow montieren bei Otto Duborg am Harrisleer Ochsenweg eine neue Leuchtreklame. Foto: Michael Staudt

Dänemark macht Limonaden und Bier billiger, um die Masseneinkäufe im Nachbarland zu bremsen. Auf deutscher Seite setzen die Unternehmen auf die breite Angebotspalette.

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26. April 2013, 09:05 Uhr

Harrislee | Mit der Abgabensenkung auf Sprudelgetränke und Bier möchte die dänische Regierung die massiven Einkäufe dänischer Kunden in deutschen Grenzhandelsmärkten bremsen. Wie sehen die Gemeinde Harrislee und der hiesige Grenzhandel die zukünftige Situation? Mit einem Grenzhandelsanteil von traditionell rund 50 Prozent der Gewerbesteuern hängt die Gemeinde sehr stark an diesem Wirtschaftszweig.

Auch wenn ein spürbarer Rückgang des Grenzhandels die Harrisleer Finanzkraft empfindlich treffen würde: Bürgermeister Martin Ellermann bleibt optimistisch. "Es hat immer wieder Abgabensenkungen auf dänischer Seite gegeben, das hat wenig am dänischen Kaufverhalten geändert", meint er. Es fehlten Untersuchungen mittels Befragung zum Kaufverhalten dänischer Kunden. Nicht nur die Magneten Sprudel und Bier würden gekauft, sondern viele andere Waren, etwa Süßigkeiten, sagt Ellermann: "Bei anderen Kaufartikeln bleibt der Mehrwertsteuerunterschied ja bestehen". Durch die zusätzliche Inanspruchnahme von Dienstleistungen wie Friseurbesuchen oder dem Werkstattservice empfänden viele Dänen die Fahrt nach Deutschland als Einkaufserlebnis.

"Unsere dänischen Kunden kaufen gerne in Deutschland ein"

Bernd Christiansen, Geschäftsführer des Poetzsch Grenzhandels in Harrislee, möchte sich dem Wettbewerb stellen: "Wir setzen uns nicht ruhig im Stuhl zurück. Unsere Stärke ist die Flexibilität", betont er. Die Neuregelung werde eine kurzfristige psychologische Wirkung beim Konsumenten haben, aber keine nachhaltige, ist er überzeugt. Nach seiner Meinung will Kopenhagen den großen Anteil des Grenzhandels von Deutschland nach Dänemark verlagern. Nicht erkennen kann Christiansen, wie sich die Abgabensenkung in einem Wachstumspaket und einer Schaffung von Arbeitsplätzen in Dänemark darstellen soll. Im dänischen Handel finde der gleiche Wandel wie in Deutschland statt, weg vom selbstständigen Einzelhändler hin zum Discounter: "Diesen Strukturwandel wird man nicht aufhalten können". Grenzhandelseinkäufe seien Vorratseinkäufe. Überwiegend kauften Dänen in Skandinavien hergestellte Produkte. Das im deutschen Grenzhandel erworbene Bier etwa sei zu 95 Prozent in Dänemark hergestellt worden.

Mike Simonsen, Geschäftsführer des Fleggaard Grenzhandels, zu dem seit 2010 auch Calle gehört, glaubt nicht, dass die dänische Abgabensenkung großen Einfluss auf die Zukunft seines Geschäfts haben wird. Alkoholfreie Getränke und Bier würden auch weiterhin im Grenzhandel am günstigsten sein. "Der Grenzhandel besteht nicht nur aus den Preisen. Wir stehen eher für das dänische Flair und ein Einkaufserlebnis für die ganze Familie", sagt er - mit "sehr vielen anderen tollen Produkten", die auch günstiger seien als in Dänemark: "Unsere dänischen Kunden kaufen gerne in Deutschland ein, und so wird es auch in Zukunft sein".

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