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Schleswig-Holstein

18. Oktober 2017 | 17:17 Uhr

Stelen für den Lübecker Kreuzweg

vom

An der Obertrave werden unter den Augen der Öffentlichkeit acht Stelen auch für neuen Märtyrerweg geschaffen

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Lübeck | Ein öffentliches Bildhauer-Symposium hat es in Lübeck lange nicht mehr gegeben. Ab heute aber arbeiten vier Künstler auf dem Gelände zwischen Obertrave und Wallstraße, vor dem ehemaligen Jugendheim der Gewerkschaften. Sie führen einen großen Auftrag von Lübecker Stiftungen und Initiativen aus. Ideengeber sind die evangelische und katholische Kirche in der Hansestadt.

Björn Engholm und Pastor Lutz Jedeck ergriffen dann die Initiative und entwickelten mit dem Bildhauer Jo Kley ein Konzept für einen Skulpturenweg, der auch den neu entstehenden Märtyrerweg mit einbindet.

Den vier Lübecker Märtyrern, die am 10. November 1943 hingerichtet wurden, wird derzeit in der Lutherkirche und Räumen von Herz Jesu gedacht. Im Oktober wird dort eine neue Gedenkstätte ihrer Bestimmung übergeben.

Der Lübecker Kreuzweg ist einer der ältesten seiner Art in Deutschland und wird seit 1994 wieder begangen. Immer am Karfreitag gehen Christen verschiedener Konfessionen zusammen mit Lübecker Bürgern ohne kirchliche Bindung diesen Kreuzweg von der Jakobikirche zum Jerusalemsberg. Von den 1493 geschaffenen, ehemals sieben Stationen des 1650 Meter langen Weges sind aber nur noch die erste und letzte - Anfang und Ende - des Kreuzweges erhalten. Die Zwischenstationen auf dem 1650 Meter langen Weg sollen nun durch neue Stelen markiert werden.

Am Burgkloster wird der historische Kreuzweg einen neuen Weg kreuzen, der Gedenkstätten der Lübecker Märtyrer verbindet: die Wirkungsorte der hingerichteten Geistlichen, die Propsteikirche Herz Jesu an der Parade, die Lutherkirche in der Moislinger Allee sowie das Burgkloster, wo einst der "Volksgerichtshof" Todesurteile verhängte und die Justizvollzugsanstalt Lauerhof, wo die vier von den Nazis verhafteten Geistlichen einsaßen.

Die nicht mehr erkennbaren Zwischenstationen des historischen Kreuzweges sollen nun durch moderne Kunstobjekte hervorgehoben werden und zwar am Burgkloster, am Gustav-Radbruch-Platz und an der Jugendherberge.

Beim Begehen des Kreuzweges sollen nicht nur christliche Texte bedacht werden, sondern grundlegende Punkte eines gesellschaftlichen Wertekataloges. "Solche Werte fußen auf christlichen Glaubensüberzeugungen", betonte Björn Engholm, einer der Initiatoren. Das Konzept für die Gestaltung der Stelen wurde mit dem Kieler Bildhauer Jo Kley erarbeitet. Man habe bewusst darauf verzichtet, die Inhalte, für die die Stelen stehen, bildhaft zu gestalten. Björn Engholm: "Sie sollen symbolisieren, nicht verkörpern."

An dem Symposium unter weißen Zeltbahnen nehmen international bekannte Künstler teil.

Jo Kley wurde in Ulm geboren, lebt seit vielen Jahren mit seiner Familie in Kiel.

Winni Schaak stammt aus Kropp im Kreis Schleswig-Flensburg, lebt jetzt in Lübeck.

Karen van Ommeren stammt aus den Niederlanden

Frede Troelsen aus Dänemark.

Jeder wird zwei Stelen erstellen. Interessierte können ihnen über die Schulter schauen. An den Sonntagen hat die Öffentlichkeit direkten Zutritt. Das gilt insbesondere für kommenden Sonntag, 4. August. Zwischen 14.30 und 18 Uhr wird dabei Musik, eine Jam-Session, Gäste auf das Gelände neben dem Gewerkschaftshaus locken. Auch für das leibliche Wohl soll gesorgt werden.

Aufgestellt werden die acht neuen Stelen am 14. August. "Der Kran ist bestellt", sagt Jo Kley. Natürlich geht auch bei der Kunst nichts ohne Geld. 71 000 Euro soll die Aktion kosten. Die Summe wurde von privaten Spendern, von den beteiligten Gemeinden - sie übernehmen auch Unterbringung und Verpflegung der Künstler - sowie von der Possehl-Stiftung aufgebracht.

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