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Klimatologe im Interview : "Starkregen wird zunehmen"

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Professor Hans von Storch, Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht, rechnet aufgrund der Erderwärmung mit schweren Sturmfluten in Schleswig-Holstein.

shz.de von
erstellt am 30.Jul.2011 | 07:05 Uhr

Herr von Storch, welche langfristigen Folgen hat die globale Erwärmung?
Hans von Storch
: Ganz sicher ist die Fortsetzung der Erwärmung, weniger Meereis, höherer Meeresspiegel. Sicher ist auch: mehr Starkregen. Gestritten wird darüber, was mit den tropischen Wirbelstürmen passiert, in welchem Maße die Wasservorräte der Antarktis und Grönlands abschmelzen werden. Unwahrscheinlich erscheint es, dass sich zumindest in Nordeuropa die Sturmtätigkeit wesentlich verändert.
Wie wirkt sich der Klimawandel auf Schleswig-Holstein aus?
Flensburg wird sich temperaturmäßig an Basel annähern. Daran gekoppelt ist eine Abnahme von Meereis im Winter in der Ostsee. Plausibel ist die Zunahme von Starkregen. Langfristig erwarten wir für Norddeutschland in der Summe mehr Niederschlag im Winter und weniger im Sommer. Stürme bleiben im Wesentlichen auf dem gegenwärtigen Niveau.
Besonderes Augenmerk richten wir auf die Frage der Sturmfluten. Wir schätzen, die können sich bis 2030 um 20 bis 30 Zentimeter erhöhen, bis Ende des Jahrhunderts immerhin um 30 bis 110 Zentimeter. Dies bedeutet, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine akute zusätzliche Gefährdung vorliegt, wohl aber der bisherige Küstenschutz auf hohem Niveau gesichert werden muss. Dies geschieht auch. Später in diesem Jahrhundert kann sich aber ein erhebliches zusätzliches Risiko ergeben – und Schleswig-Holstein sollte die Zeit jetzt nutzen, um mit der Bevölkerung die Möglichkeiten für zukünftige Maßnahmen erörtern.
Lässt sich der Trend aufhalten?
"Aufhalten" oder "stoppen" lässt sich der menschgemachte Klimawandel derzeit nicht. Das ist politische Rhetorik. Er lässt sich aber verlangsamen – theoretisch durch die Verminderung der weltweiten Emissionen. Da dies aber für die nächsten Jahrzehnte praktisch unmöglich ist, sollte man versuchen, den Anstieg der Emissionen zu vermindern. In anderen Worten: wir können nicht bremsen, aber immerhin deutlich schwächer auf das Gaspedal treten.
Wenn wir dies sehr erfolgreich täten – was ich persönlich als unmöglich ansehe – dann schaffen wir es, den Klimawandel auf 2 Grad (in der globalen Lufttemperatur) zu beschränken. Dies würde bedeuten, dass wir noch mal 1.3
Grad bis zum Ende des Jahrhunderts dazulegen – was erhebliche Klimaänderungen mit sich bringen würde.
(shz)

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