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Tagung in Lübeck : Stadtwerke: WLan wichtiger als Kita-Plätze – SH rüstet nach

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Norderstedt hat die Nase vorn: Die Stadtwerke wollen das Leben vom Stromzähler bis zum Straßenverkehr digitalisieren.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2017 | 16:40 Uhr

Lübeck | Kommunale Unternehmen aus ganz Norddeutschland haben am Dienstag in Lübeck über den Aufbau öffentlicher WLan-Netze diskutiert. Eine flächendeckende WLan-Versorgung werde mehr und mehr zum Standortfaktor, sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Lübeck, Jürgen Schäffner, zum Auftakt. Es gebe Studien, wonach WLan-Verfügbarkeit bereits wichtiger sei, als die Zahl von Kita-Plätzen, sagte er.

Freies WLan ist nicht nur eine Möglichkeit, die Innenstädte attraktiver zu machen. Mit zunehmender Vernetzung des Alltags wird es immer wichtiger. Die Betreiber verdienen an solchen Netzen nichts.

Bei der vom Landesverband Nord des Verbandes Kommunaler (VKU) Unternehmen veranstalteten Tagung ging es vor allem um technische und rechtliche Fragen. 

Bis Ende 2016 seien es vor allem rechtliche Probleme gewesen, die die kommunalen Unternehmen beim Ausbau von WLan-Angeboten zögern ließen, sagte VKU-Geschäftsführerin Astrid Stepanek. „Erst das Urteil des Europäischen Gerichtshof zur Störerhaftung im September 2016 hat für mehr Sicherheit auf der Anbieterseite gesorgt“, sagte sie. Von den knapp 90 Mitgliedsunternehmen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern böten bislang etwa 15 WLan-Netze im öffentlichen Raum an.

Seit Sommer 2016 bauen die Stadtwerke Schwerin (SWS) ein WLan-Netz in der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern aus. „Wir bieten bereits an neun Standorten für 30 Minuten kostenlosen Zugang ins Internet an, darunter in der Haupteinkaufsstraße zwischen dem Marienplatz und dem Pfaffenteich“, sagte Projektmanager Bernd Holter.

Die Zahl der Nutzer sei innerhalb von drei Monaten von knapp 600 auf rund 1900 gestiegen. „Geld verdienen wir damit jedoch nicht. Die meisten nutzen die 30 Freiminuten, wenn es kostenpflichtig wird, gehen sie raus aus dem Netz“, sagte Holter.

Stehen Kommunen wie Schwerin, Stralsund oder Neubrandenburg erst am Anfang, haben die Stadtwerke Norderstedt bereits langjährige Erfahrung. Deren Telekommunikationstochter „Wilhelm.tel“ bietet seit 2011 ein fast flächendeckendes Netz an. „Wir haben aktuell rund 1000 Zugangspunkte im südlichen Schleswig-Holstein, Hamburg und im nördlichen Niedersachsen“, sagte Geschäftsführer Theo Weirich. 

In den nächsten Jahren will das Unternehmen weitere Dienste über das WLan anbieten. „Die Entwicklung geht dahin, dass immer mehr Funktionen über das Internet gesteuert werden. Das reicht vom Stromzähler über das digitale Bürgeramt bis zum automatisierten Fahren“, sagte Weirich.

Freies WLan im öffentlichen Raum sei eines der Zukunftsthemen schlechthin, sagte Lübecks Innensenator Ludger Hinsen. Aktuell engagierten sich bundesweit rund 140 kommunale Unternehmen des VKU im Breitbandausbau. Bis 2018 planen sie Investitionen von rund 1,7 Milliarden Euro. Damit können rund 6,3 Millionen Kunden die Breitbandinfrastruktur kommunaler Unternehmen nutzen.  

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