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Neue Biodroge : „Spice“ macht den Norden high

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Kunden in Kiel warten wochenlang auf ein paar Gramm „Spice“. Denn geraucht soll es ähnlich wie Haschisch wirken. Völlig legal.

shz.de von
erstellt am 17.Nov.2008 | 01:43 Uhr

Kiel - | Braun und bröselig, so fällt das Pulver aus dem gold glänzenden Tütchen. Das Zeug enthält keinen Tabak und kein Nikotin. Keine gängigen Alkaloide. Aber eine hohe Dosis Vitamin E, stellte ein Toxikologe fest. Was soll daran berauschend sein? "Wir haben das anfangs milde belächelt", sagt Mario Woywodt vom "Dock 9", einem Laden für Wasserpfeifen, Tabak und Zubehör für Kiffer in Kiel.

Doch das milde Lächeln ist einem großen Staunen gewichen. Denn jetzt ist "Spice", eine exotisch aufgemachte Kräutermischung, total angesagt. So angesagt, dass Kunden es "nur noch auf Vorbestellung und Vorauszahlung" bekommen. "Wir werden regelrecht überrannt", sagt Woywodt. "Es gab gut 300 Anfragen in zehn Wochen."
Die Kräuter werden als Marihuana-Ersatz gehandelt

Nicht nur im Norden, bundesweit ist die Nachfrage sprunghaft angestiegen. Aber was ist "Spice" eigentlich? Ein Mix aus mindestens acht verschiedenen Kräutern, die zum räuchern gedacht sind und "beim Verbrennen ein reiches Aroma entfalten", so heißt es auf der Verpackung. Enthalten sind laut Packungsangabe Gewürze wie die Meeresbohne, die Blaue Lotusblume, Sibirischer Löwenschwanz und phantasievoll klingende Extrakte von "Indian Warrior", "Wild Dagga" und "Maconha Brava". Die Kräuter verbindet eins: In verschiedenen Kulturen werden sie als Marihuana-Ersatz gehandelt.

Und als in Deutschland jemand auf die Idee kam, das Zeug zu rauschen, verbreitete sich die Nachricht von der neuen legalen Bio-Droge - über Mund-zu-Mund-Propaganda. Und über Medienberichte. "Seitdem", so Headshop-Mitarbeiter Mario Woywodt, "gibt es diesen Hype".
Drei Gramm kosten 35 Euro

Bislang existieren drei Mischungen der Modedroge: Silber, Gold und Diamond. Silber und Gold sollen geringere, entspannendere Wirkungen haben. Spice Diamond soll angeblich auf den Kreislauf anregend wirken. Vom Hörensagen weiß Woywodt, dass "es geistig einen klaren und wachen Zustand wie nach Koffein- und Tauringenuss" hervorrufen soll. "Ich selbst habe es noch nicht ausprobiert. Die Kundschaft geht vor, und es ist kostspielig." Drei Gramm verkauft er zu 35 Euro. In einem 0,4 Gramm-Tütchen zu 9,50 Euro sollen ungefähr zwei Räucherungen stecken. Zum Vergleich: Ein Gramm Marihuana kostet zwischen 5 und 10 Euro, schätzt Woywodt.

Ähnlich wie Cannabis wird "Spice" als Joint geraucht. Doch wenn es Cannabis so ähnlich ist, wieso wird es dann nicht verboten?
Ein Verbot ist kaum durchsetzbar

Im Gegensatz zu Cannabis wird Spice derzeit noch sehr sparsam konsumiert. Auf zehn Kilo Cannabis kommen, nach Aussagen aus der Geschäftsstelle der Bundes-Drogenbeauftragten, etwa nur ein Kilo "Spice". Offenbar zu wenig um Spice genauer zu erforschen. Zudem dürfen in die Verbotsliste lediglich einzelne Substanzen aufgenommen werden, keine Mischungen. Da jede einzelne "Spice"-Komponente für sich harmlos ist, ist ein Verbot kaum durchsetzbar. Das glaubt auch Frank Keller vom Landeskriminalamt in Kiel. Dennoch hält er das Kraut, sollte es einen Rausch verursachen, "für absolut gefährlich. Das kann nicht gesund sein." Schließlich werde es missbräuchlich geraucht. Polizeilich hat das LKA in Schleswig-Holstein keine Erfahrung mit dem Phänomen, auch keine Taten registeriert.

Aber das kann sich ändern. Momentan ist "Spice" im Kieler "Dock 9" wieder mal ausverkauft. Wann es neuen Stoff gibt? Mario Woywodt vermutet: "Wahrscheinlich in drei Wochen."

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