Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein : Sparkassen in SH forcieren Online-Banking - weniger Filialen

Die Sparkassen in Schleswig-Holstein setzen voll auf den Trend zum Online-Banking. Dafür wird das Filialnetz weiter ausgedünnt.

shz.de von
23. März 2017, 15:53 Uhr

Kiel | Die Kunden der Sparkassen in Schleswig-Holstein tätigen ihre Bankgeschäfte immer mehr am Handy oder Computer. „Unsere am meisten besuchte Filiale ist die Internetfiliale“, sagte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein, Reinhard Boll, am Donnerstag in Kiel bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes. Sinkenden Erträgen durch Niedrig- und Negativzinsen wollen die Sparkassen mit höheren Einnahmen bei Provisionen und Gebühren, dem Schließen von Filialen sowie dem massiven Ausbau ihres digitalen Angebots entgegenwirken.

Viele Kunden sehen Filial-Schließungen kritisch. Besonders in Dörfern wird die Lebensqualität verringert, wenn immer mehr Unternehmen sich aus der Fläche zurückziehen.

Trotz der wachsenden Belastungen durch die Niedrigzinsen haben die Sparkassen in Schleswig-Holstein ihre Ertragslage 2016 nochmals leicht verbessern können. Der Jahresüberschuss nach Steuern sei um 20 Millionen auf 143,2 Millionen Euro gestiegen, sagte Boll. Allerdings sank der Zinsüberschuss um 1,4 Prozent. Dagegen nahm der Provisionsüberschuss um 4,3 Prozent zu. Das Geschäftsvolumen aller zwölf Sparkassen im Norden stieg um 900 Millionen Euro auf 38,4 Milliarden Euro.

„Wir haben unsere Position als Marktführer im Bankenmarkt trotz erheblicher Herausforderungen gefestigt und wollen auch in den nächsten Jahren weiter wachsen“, sagte Boll.

Die zunehmenden Möglichkeiten durch die Digitalisierung sorgen laut Boll für einen Umbruch im Kundengeschäft auch der Sparkassen. So greifen inzwischen fast 50 Prozent der Privatkunden über das Internet mittels PC, Tablet oder Smartphone auf ihr Konto zu, bei den Firmenkunden sind es sogar 73,5 Prozent.

Seit vergangenem Jahr führen die Sparkassen ihre Internetfiliale 6.0 ein, über die bundesweit zwei Milliarden Kundenkontakte jährlich laufen, 800 Millionen allein über die App. Den neuesten Dienst mit Namen „Kwitt“, mit dem Geld von Handy zu Handy übertragen werden kann, nutzen seit Ende 2016 bereits 310.000 Kunden.

Fotoüberweisungen, das elektronische Postfach und die Girocard zum kontaktlosen Bezahlen sind Innovationen, die in diesem Jahr den Sparkassen-Kunden als neue digitale Services angeboten werden. „Unser Ziel ist es, im Netz und vor Ort der bevorzugte Finanzpartner in Schleswig-Holstein zu sein“, fasste Boll die digitale Vertriebsstrategie der zwölf Sparkassen zusammen. Vor allem Mittelstand und Handwerk und mit geringerem Zuwachs Privatkunden sorgten 2016 erneut für ein gestiegenes Kreditgeschäft - auf insgesamt auf 30,7 Milliarden Euro (+2,7 Prozent).

Die Nachfrage nach Wohnungsbaufinanzierungen von Privatkunden war deutlich schwächer als im Vorjahr. Offenbar habe die inzwischen überarbeitete Wohnimmobilienkreditrichtlinie viele Bauherren so verunsichert, dass die Darlehenszusagen um 13 Prozent unter denen des Vorjahres blieben, sagte Boll. Außerdem hätten viele die seit Jahren niedrigen Zinsen bereits für ihre Pläne genutzt. Angesichts deutlich gestiegener Bau- und Immobilienpreise dürfte sich der Boom in der privaten Baunachfrage abschwächen, meinte Boll.

Auf Negativzinsen wollten die Sparkassen „im Geschäft mit der überwiegenden Zahl von Privatkunden“ auch weiterhin verzichten, betonte Boll. Betroffen seien nur große Einlagesummen, insbesondere von Firmenkunden aber auch von institutionellen Anlegern.

Um die Ertragsbelastungen durch die Niedrigzinsen und durch die Investitionen für die Digitalisierung zu meistern, sind für die Sparkassen „ein weiteres Wachstum im Kreditgeschäft, der Ausbau des Provisionsgeschäfts und eine verursachergerechte Bepreisung von Leistungen unumgänglich“. Insgesamt sei das Jahr 2017 positiv angelaufen und lasse einen optimistischen Ausblick zu, so Boll.

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