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Schleswig-Holstein

16. Dezember 2017 | 14:31 Uhr

Armut : Soziale Zeitbombe

vom

Eine wachsende Zahl von Menschen lebt in Deutschland in Armut - das wird zur Zerreißprobe für die gesamte Gesellschaft. Ein Kommentar von Bernd Ahlert.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 07:48 Uhr

Es sind beschämende Zahlen, die die Statistiker  da vorlegen:  Jeder siebte Deutsche ist von Armut bedroht - in Ostdeutschland ist es sogar jeder Fünfte. Das heißt: In einem der reichsten Länder der Welt kämpfen rund zwölf Millionen Menschen mit Niedrigeinkommen ums Überleben. Tendenz steigend. Das allein ist Besorgnis erregend. Wirklich alarmierend aber ist die Entwicklungskurve der Armutsgefährdung in bestimmten Bevölkerungsgruppen. Langzeitarbeitslose, chronisch kranke Menschen mit Erwerbsminderung oder alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern sind  seit Jahren die meistgefährdeten Kandidaten für ein Abgleiten unter die Armutsgrenze. Sie müssen am häufigsten mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zurecht kommen.

Und ein tieferer Blick in die Statistik zeigt, was in Zukunft noch kommen wird. So hat sich in Schleswig-Holstein die Zahl der armutsgefährdeten Rentner in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich erhöht. Ein Ende dieser düsteren Entwicklung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Das Problem der Altersarmut wird noch drastisch zunehmen. Die gravierenden Auswirkungen von gebrochenen Erwerbsbiografien mit  langen Phasen der Arbeitslosigkeit, von prekären Arbeitsverhältnissen, Niedriglöhnen und Minijobs schlagen erst in den kommenden Jahren voll durch. Eine steigende Zahl künftiger Rentner aus der Babyboomer-Generation wird als Folge  zu niedriger Beiträge zur Altersversorgung unterhalb des Existenzminimums  leben müssen. Es ist ein sozialpolitische Zeitbombe, die da tickt. Damit diese Menschen über die Runden kommen, müssen sie von der Allgemeinheit - sprich: den Steuerzahlern - aufgefangen werden.

Es ist nicht zu begreifen, dass dieser wachsenden Schieflage nicht längst entgegen gewirkt wird. Der Staat kann Armut nicht abschaffen. Aber es können die  Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass sich die Chancen auf auskömmliche Arbeit, soziale Absicherung und gesellschaftliche Teilhabe verbessern. Andernfalls droht eine bislang ungekannte Zerreißprobe zwischen Arm und Reich, zwischen Alt und Jung in diesem Land.

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